Nachdem ich mein Rad in Windhoek reparieren konnte, machte ich mich auf in den Norden Namibias. Ich hatte von anderen Reisenden Geschichten vom Kaokoland gehört. Von nahezu unbefahrbaren Bergpässen, atemberaubenden Landschaften und Menschen, die es bis heute geschafft haben, sich die Missionare vom Hals zu halten und ihre eigene Kultur zu bewahren wussten. Doch um dort hin zu kommen musste ich erst einmal halb Namibia durchqueren. Wie immer versuchte ich mich von den Hauptstraßen fern zu halten und wurde mit überraschend guten Straßen belohnt. Schon bald fand ich mich in mitten phantastischer Landschaft und so vergingen die gut 1.000km nach Opuwo trotz Gegenwind wie im Flug.
Hier füllte ich meine Vorräte auf und machte mich erst einmal auf, mir die Epupa Wasserfälle anzusehen und irgend jemanden zu finden, der mir einigermaßen brauchbare Informationen über besagtes Kaokoland geben kann. In Epupa wurde ich dann auch gleich fündig, da sich heraus stellte, dass der Besitzer des Camps passionierter Montain Biker ist und schon seit über 20 Jahren in der Gegend lebt. Irgend wie muss ich wohl nicht richtig zugehört haben und schenkte der Tatsache, dass der Letzte, der versucht hatte auch nur einen Teil meiner Route mit einem voll beladenem Reiserad zu fahren, wegen Überanstrengung ins Krankenhaus geflogen werden musste, auch recht wenig Beachtung. Es sollte tatsächlich eine der anstrengendsten Erfahrungen werden, die ich bisher hatte.
(siehe Kurzgeschichten: Schieben bis zur Ohnmacht)
Zurück in Opuwo brauchte ich erst einmal ein paar Tage Pause bevor ich mich mich in Richtung Süden auf machte. Da ich nicht die selbe Route zurück nehmen wollte, die ich gekommen war, entschied ich mich für die einzige Alternative, was sich schnell als Fehler herausstellen sollte. Aus der, anfänglich recht guten Straße wurde nach einigen Km eine der schlimmsten Waschbrettpisten die ich je gesehen habe. Hinzu kam, dass diese Straße recht stark befahren war und ich somit permanent mit Mundschutz fahren musste, da mich jedes Auto, das mir begegnete, für Minuten in eine derartige Staubwolke einhüllte, dass ich oftmals sogar anhalten und warten musste, bis sich der Staub so weit gelegt hatte, dass ich zu mindest wieder erahnen konnte wo die Straße war. Als kleine Dreingabe hatte der Wind gedreht und blies mir nun mit beinahe Orkanstärke ins Gesicht. Nach einigen Tagen in dieser Hölle hielt, während ich meine Mittagspause unter einen Baum machte, ein in die Jahre gekommener Land Rover mit einem 50er Pärchen, die ich sofort ins Herz schloss. Irgend wie schafften sie es mich davon zu überzeugen, mich die 50km bis zum nächsten kalten Bier mit zu nehmen und mich dort nach allen Regeln der Kunst ab zu füllen. Unterwegs stellte sich heraus, dass die beiden in einigen Höhlen irgendwo in der Wüste leben und auch nur alle paar Monate in die „Stadt“ kommen. Irgendwie kam es dann dazu, dass ich von Cris zu einer Anti Wilderei Patrouille eingeladen wurde. So fand ich mich dann am nächsten Tag auf dem Weg in ein Gebiet, das dafür bekannt ist die größte Population von Spitzmaul-Nashörnern außerhalb von Nationalparks zu haben und so gut wie unerreichbar ist. Nach drei Tagen Wandern in der Gegend südlich von Sesfontain machte ich mich wieder auf den Weg in den Süden. Nach einer Weile merkte ich, dass etwas mit meinen Rad nicht stimmte, konnte den Fehler jedoch nicht wirklich ausmachen. Als ich dann jedoch am zweiten Tag einen platten Hinterreifen hatte bemerkte ich einen 1.5mm Riss in der Felge. Darum beschloss ich die beste Straße nach Swakopmund zu nehmen, die blöderweise durch den Skeletküsten Nationalpark führte. Überraschenderweise liess mich der Mensch am Tor schon nach kurzer Diskussion passieren, was vermutlich in damit zu begründen ist, dass er, wie die meisten Beamten in Afrika, rotze besoffen war. Nach weiteren 100km war der Riss bereits auf mehr als einen halben Zentimeter angewachsen und das Rad fing an mächtig zu eiern. Als dann auch noch eine der vorderen Taschen riss hatte ich die Schnauze voll und liess mich bis Swakopmund mitnehmen. Da ich dort keinen Ersatz bekam nahm ich den Bus nach Windhoek, wo ich eine neue Felge kaufen konnte und meinen reparierten Laptop in Empfang nahm.


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