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Mit dem Rad durch Afrika
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Bin am 21.10.09 nach 21.678km und ca. 19 Monaten in CapeTown angekommen
Bin seit gestern (4.10) in Süd Afrika. Gleich zu Beginn wurde ich mit viel Gegenwind begrüßt und quäle mich seit der Grenze Berg auf Berg auf der Hauptstraße N7 zwischen LKW’s und verrückten Pkw’s Richtung Cape Town (noch 554km)
Nachdem ich mein Rad in Windhoek reparieren konnte, machte ich mich auf in den Norden Namibias. Ich hatte von anderen Reisenden Geschichten vom Kaokoland gehört. Von nahezu unbefahrbaren Bergpässen, atemberaubenden Landschaften und Menschen, die es bis heute geschafft haben, sich die Missionare vom Hals zu halten und ihre eigene Kultur zu bewahren wussten. Doch um dort hin zu kommen musste ich erst einmal halb Namibia durchqueren. Wie immer versuchte ich mich von den Hauptstraßen fern zu halten und wurde mit überraschend guten Straßen belohnt. Schon bald fand ich mich in mitten phantastischer Landschaft und so vergingen die gut 1.000km nach Opuwo trotz Gegenwind wie im Flug.
Hier füllte ich meine Vorräte auf und machte mich erst einmal auf, mir die Epupa Wasserfälle anzusehen und irgend jemanden zu finden, der mir einigermaßen brauchbare Informationen über besagtes Kaokoland geben kann. In Epupa wurde ich dann auch gleich fündig, da sich heraus stellte, dass der Besitzer des Camps passionierter Montain Biker ist und schon seit über 20 Jahren in der Gegend lebt. Irgend wie muss ich wohl nicht richtig zugehört haben und schenkte der Tatsache, dass der Letzte, der versucht hatte auch nur einen Teil meiner Route mit einem voll beladenem Reiserad zu fahren, wegen Überanstrengung ins Krankenhaus geflogen werden musste, auch recht wenig Beachtung. Es sollte tatsächlich eine der anstrengendsten Erfahrungen werden, die ich bisher hatte.
(siehe Kurzgeschichten: Schieben bis zur Ohnmacht)
Zurück in Opuwo brauchte ich erst einmal ein paar Tage Pause bevor ich mich mich in Richtung Süden auf machte. Da ich nicht die selbe Route zurück nehmen wollte, die ich gekommen war, entschied ich mich für die einzige Alternative, was sich schnell als Fehler herausstellen sollte. Aus der, anfänglich recht guten Straße wurde nach einigen Km eine der schlimmsten Waschbrettpisten die ich je gesehen habe. Hinzu kam, dass diese Straße recht stark befahren war und ich somit permanent mit Mundschutz fahren musste, da mich jedes Auto, das mir begegnete, für Minuten in eine derartige Staubwolke einhüllte, dass ich oftmals sogar anhalten und warten musste, bis sich der Staub so weit gelegt hatte, dass ich zu mindest wieder erahnen konnte wo die Straße war. Als kleine Dreingabe hatte der Wind gedreht und blies mir nun mit beinahe Orkanstärke ins Gesicht. Nach einigen Tagen in dieser Hölle hielt, während ich meine Mittagspause unter einen Baum machte, ein in die Jahre gekommener Land Rover mit einem 50er Pärchen, die ich sofort ins Herz schloss. Irgend wie schafften sie es mich davon zu überzeugen, mich die 50km bis zum nächsten kalten Bier mit zu nehmen und mich dort nach allen Regeln der Kunst ab zu füllen. Unterwegs stellte sich heraus, dass die beiden in einigen Höhlen irgendwo in der Wüste leben und auch nur alle paar Monate in die „Stadt“ kommen. Irgendwie kam es dann dazu, dass ich von Cris zu einer Anti Wilderei Patrouille eingeladen wurde. So fand ich mich dann am nächsten Tag auf dem Weg in ein Gebiet, das dafür bekannt ist die größte Population von Spitzmaul-Nashörnern außerhalb von Nationalparks zu haben und so gut wie unerreichbar ist. Nach drei Tagen Wandern in der Gegend südlich von Sesfontain machte ich mich wieder auf den Weg in den Süden. Nach einer Weile merkte ich, dass etwas mit meinen Rad nicht stimmte, konnte den Fehler jedoch nicht wirklich ausmachen. Als ich dann jedoch am zweiten Tag einen platten Hinterreifen hatte bemerkte ich einen 1.5mm Riss in der Felge. Darum beschloss ich die beste Straße nach Swakopmund zu nehmen, die blöderweise durch den Skeletküsten Nationalpark führte. Überraschenderweise liess mich der Mensch am Tor schon nach kurzer Diskussion passieren, was vermutlich in damit zu begründen ist, dass er, wie die meisten Beamten in Afrika, rotze besoffen war. Nach weiteren 100km war der Riss bereits auf mehr als einen halben Zentimeter angewachsen und das Rad fing an mächtig zu eiern. Als dann auch noch eine der vorderen Taschen riss hatte ich die Schnauze voll und liess mich bis Swakopmund mitnehmen. Da ich dort keinen Ersatz bekam nahm ich den Bus nach Windhoek, wo ich eine neue Felge kaufen konnte und meinen reparierten Laptop in Empfang nahm.
Bin gestern in Swakop angekommen. hab vor 3 Tagen meine hintere Felge gebrochen und werd jetzt erstmal mit dem Zug weiter nach Windhoek, um mein Rad zu richten. Werde dort auch meinen Laptop wieder bekommen und dann endlich alles schreiben koennen.
Wie ihr seht habe ich seit langem nichts mehr geschrieben, was daran liegt, dass ich recht lange im Norden Namibias war und noch bin. ich werde in ca. einer Woche in Swakopmund sein und mich dort daran machen, alles nieder zu schreiben. Da in dieser Zeit recht viel passiert ist werde ich das Geschehne wohl ein wenig aufteilen. Den Hauptteil werdet ihr, im gewohnten Stil hier auf dem Blog finden. Den interessanten Teil, oder besser die interessanten Teile, werde ich als Kurzgeschichte(n) schreiben. also mal beides im Auge behalten.
Vorne weg sei gesagt, dass ich einige der interessantesten, anstrengensten (bis zur Ohnmacht) und spannensten Erlebnisse der Reise hatte.
Natürlich gab es die benötigten Teile nicht in Lusaka. Also fixierte ich die Kurbel mit einem Kabelbinder und ein wenig Draht und machte mich auf den Weg nach Livingstone. Hier stürzt sich der Zambesi die ca. 110m hohen Victoriafalls hinab in eine atemberaubende Schlucht.
Zufällig erfuhr ich, dass sich während klarer Vollmond Nächte ein „Lunaregenbogen“ bildet, und es war gerade Vollmond. Und zum ersten mal seit Tagen wieder klarer Himmel. So kam ich auch noch in den Genuss, dieses Naturschauspiel zu beobachten.
Nach einer Woche bekam ich dann das Päckchen mit dem neuen Freilauf und den falschen Schrauben. Da ich nicht noch eine Woche warten wollte beschloss ich, so weiter nach Namibia wo ich hoffte, die fehlenden Teile zu bekommen. Unterwegs traf ich dann Rich, der eine Fishing Loge am Zambesi hat und mich zum Angeln ein lud.
Nach einigen Tagen machte ich mich dann auf den Weg nach Botswana. Kaum über die Grenze, befand ich mich auch schon in der Kalahari und in mitten großer Elefantenherden.
Blöderweise jedoch auch auf einer DER Hauptverbindungsstraßen Afrikas und somit in mitten vieler Schwertransporter, die natürlich keinerlei Rücksicht auf Radfahrer nahmen. Und so wurde ich auch gleich am zweiten Tag in Botswana von einem dieser Lkws angefahren. Der zweite Anhänger eines Lkw verfing sich in meinem linken Pedal und riss es mit samt der Kurbel ab. Jedoch nicht ohne vorher noch gegen meine Tasche zu knallen und mir mein Laptop zu zerstören (nun schon das zweite). Somit musste ich die restlichen 1600km nach Windhoek per Anhalter fahren. Glücklicherweise konnte der Schaden am Rad recht schnell behoben werden, und somit bin ich nun bereit, den Norden Namibias zu erkunden.
An statt direkt zu den Victoriafalls zu fahren, beschloss ich, noch einen Bogen durch die Nord/West Provinz zu machen. Am Tag bevor ich abfahren wollte traf ich Paul, einen Amerikaner, der gerade die Tour de Afriqe als „staff-member“ mitgemacht hatte und auch zur Quelle des Zambesi Radeln wollte, also machten wir uns gemeinsam auf den Weg.
Am dritten Tag erreichten wir den Kafue Nationalpark . Eigentlich hatten wir uns Sorgen gemacht, dass sie uns, mal wieder, nicht in den NP lassen würden, hinterher wünschte ich, dass dem so gewesen wäre. Kaum hatten wir die Grenze des NP passiert, fielen hunderte Tsetsefliegen über uns her. Mich traf es besonders hart, da meine Radtaschen Blau/Schwarz sind, und das genau die Farbkombination ist, die diese Mistbiester am meisten anzieht. Mensch stelle sich vor, sich in einem sehr großen (ca. 50km lang) Nadelkissen mit alten, stumpfen, rostigen Nadeln zu wälzen, füge viel Staub, holprige Schotterpiste und einige Ampalas hinzu. Als kleine Dreingabe noch eine Chance von 1:10.000, sich die Schlafkrankheit einzufangen. Ich versuchte konstant über 30km/h zu fahren, was zwar nur bedingt half, mir jedoch das Gefühl vermittelte, wenigstens irgend was zu tun. Irgend wann löste sich dann eine meiner Radtaschen und zwang mich so zum Anhalten. Sofort fielen die Tsetsefliegen über mich her. Laut fluchend und wild um mich schlagend wühlte ich all meine Kleidung her vor und schaffte es tatsächlich, so viel Kleidung aufzubringen, dass die Fliegen nicht mehr durch den Stoff stechen konnten. Mein erster Versuch, meine Kleidung mit Insektengift zu imprägnieren scheiterte daran, dass sich die Mistviecher davon völlig unbeeindruckt zeigten. So fuhr ich dann mit zwei T-shirts, einem Fleece Pulli, Kniestümpfen, kurzer Hose, langer Hose und zwei Kopftüchern bei 35° weiter. Jedoch wurde ich immer noch im Gesicht und an den Händen gestochen. Nach 50 km Horror Trip erreichten wir endlich eine Fähre über einen Fluss, wo wir, dank Buschfeuer, einigermaßen sicher vor den Fliegen waren. Da wir noch 80 km im NP zurück legen mussten, beschlossen wir aufzugeben und auf eine Mitfahrgelegenheit zu waren.
Nach ca. .3 h kam dann auch ein LKW der sich anbot, uns aus dem Tsetsegebiet heraus zu bringen.
Da es Nachts doch recht kalt wurde, schaffte ich es tatsächlich, mir eine Erkältung einzufangen. So wurden die nächsten Tage recht anstrengend.
In Mwinilunga beschloss ich dann, mir einige Tage Auszeit zu gönnen und scheiterte erneut bei dem Versuch, mein Visum verlängern zu lassen. Das war nun schon das 3. mal, dass das Migrationsoffice unbesetzt war. Auf dem Weg zu der Quelle der Zambezis
trafen wir auf einige „Peacecorp“ Freiwillige. Da diese sich nahezu ausschließlich mit dem Rad bewegen, besuchten wir einige ihrer Dörfer bevor wir uns in Richtung Zambezi auf machten. Nach ca. 100km hügliger, steiniger Schotterpiste brach mir dann die Kabelhülse des vorderen Schaltzuges. Gefangen im kleinsten Gang versuchte ich Paul einzuholen und fand ihn wenig später zusammen mit einem Deutschen Missionar, dessen Jeep einen Platten hatte.
Paul stellte bei der Gelegenheit fest, dass etwas mit seinem Hinterrad nicht stimmte und so machten wir uns alle gemeinsam daran, unsere jeweiligen Fahrzeuge wieder fit zu machen. Schon nach kurzem stellte sich heraus, dass Pauls Hinterradfelge scheinbar einen Stein abbekommen hatte. Die Felgenwand war völlig verbogen und angerissen.
Da wir noch einige 100km Schotter vor uns hatten, beschloss Paul zurück nach Lusaka zu trampen und zu versuchen eine neue Felge zu bekommen. Nichts ahnend, dass mich in Kürze ein ähnliches Schicksal ereilen würde, machte ich mich alleine auf den Weg Richtung Zambezi (hier ist übrigens die Stadt und nicht der Fluss gemeint).
Zwei Tage später versuchte ich, in Kabompo, mal wieder mein Visum zu verlängern (allmählich wurde es echt knapp). Fand das Migrationsoffice, welch Überraschung, unbesetzt und erfuhr, dass auch das in Zambezi unbesetzt war. Da mir das Geschüttel auf den mittlerweile sandigen Waschbrettpisten eh auf die Nerven ging, beschloss ich, jetzt direkt nach Mongu, der Provinzhauptstadt, zu fahren. Irgendwann fing meine rechte Kurbel an, verdächtig zu knarzen. Aus dem Knarzen wurde binnen weniger km ein nervenaufreibendes Quietschen und dann, mitten im Nichts, fiel die Kurbel einfach ab. Nach einer guten Stunde vergeblichen Suchens nach der Schraube, die dies eigentlich hätte verhindern sollen, gab ich mich meinem Schicksal hin und fing an, die verbleibenden 35km zur nächsten Ortschaft zu schieben. Wann immer möglich radelte ich auf dem verbleibendem Pedal, brauchte aber dennoch vier Stunden. Glücklicherweise fand ich schnell einen LKW der mich nach Lusaka mitnahm, wo ich nun, nach 23 endlosen Stunden LKW Fahrt, bin.
Warum genau ich Blut im Urin hatte ist mir immer noch ein Rätsel, auf alle Fälle hat es sich nach einigen Tagen wieder gegeben. Da die Fähre nach Malawi nicht mehr fuhr, musste ich mit meiner Schwester Isabella um den halben See herum. In Anbetracht dessen, dass mein Visum kurz vorm auslaufen war, nahmen wir dankbar die Mitfahrgelegenheit an, die uns ein deutscher Arzt anbot. In Mabuya (ca. 110km vor der Grenze) kauften wir ein Rad für Isabella und ich schaffte es am nächsten Tag gerade noch rechtzeitig zur Grenze. Von dort aus ging es, gemeinsam unter dem Gegenwind leidend, nach Karonga, wo sich meine Schwester einige Parasiten einfing.
Da das nächste Krankenhaus nicht über die Mittel verfügte,irgendwas zu diagnostizieren, fuhren wir auf einem LKW nach Muzuzu. Dort schnell einige Pillen bekommen und weiter ging es nach Nkhata Bay. Nach einer Woche Nichtstun gönnten wir uns noch drei schlaflose Nächte auf der, völlig überfüllten Ilalia (einem alten deutschen Transportschiff) und kamen so nach Nkhotakota,
wo wir auf zwei Südafrikaner trafen, die gerade ein neues Hotel mitten im Nichts des Nkhotakota Game Reserve bauten und uns zu diesem einluden. Nachts hörten wir einige Löwen ums Camp schleichen und liessen uns von den Südafrikanern dann auch gleich noch bis Lilongwe mitnehmen.
Eigentlich wollten wir uns von dort aus auf den Weg in den Kazungu Nationalpark machen, aber Isabella fing sich mal wieder einen Durchfall ein und so blieben wir bis zu ihrer Abreise in Lilongwe.
Nach dem Isabella abgereist war, blieb ich noch eine Weile in Lilongwe und traf so, zum ersten mal seit über einem halben Jahr, auf einen andern Radfahrer. Ein Südafrikaner, der eine Südliches Afrika Tour macht. Leider wollte dieser noch einige Tage in Lilongwe bleiben und ich wollte nach nunmehr zwei Wochen in der Stadt wieder aufs Rad. So fuhr ich dann am nächsten Tag nach Zambia weiter. Erschreckt, nicht jedoch überrascht, stellte ich fest, dass ich in den 3 Monaten mit meiner Schwester viel meiner Kondition eingebüßt hatte und so kam ich nur langsam und schmerzhaft voran. Hin zu kam, dass ich in Zambia auf einen Ausläufer des Afrikanischen Grabenbruches traf und so viele viele Höhenmeter zu überwinden hatte.
Zwar befinde ich mich gerade im Winter, aber das heißt hier immer noch 30°-35° im Schatten. Dafür wird es nachts dann richtig kalt. Naja, vielleicht nicht richtig kalt aber es kühlt immer hin auf bis zu 8°C runter. Winter bedeutet hier allerdings auch Trockenzeit. Und Trockenzeit und Busch/Grasland sind keine Idealbedingungen zum wild Camping. Mehrmals wurde ich nachts von dem Donnern naher Feuer geweckt, die zum Teil so nahe kamen, dass ich bereits anfing, meine Sachen zu packen und die Flucht zu ergreifen, nur um dann festzustellen, dass das Feuer die Richtung geändert hatte und ich mein Zelt wieder aufbauen konnte.
So kam ich oft nur zu recht wenig Schlaf und meine Versuche, dies durch längere Tagesetappen wieder gut zu machen, scheiterten kläglich. Als kleine Dreingabe ließ ich mich dann noch von der einen oder anderen Spinne beißen, die sich über Nacht in mein Gepäck verirrt hatten.
Am Tag meiner Ankunft in Lusaka traf ich dann noch auf zwei Amerikanische Radler, die auf den Weg in den Norden sind ( www.gregandmary.net ) und wurde von einem Südafrikanischen professionellen Rennradfahrer in die Stadt begleitet.
Ist es wirklich schon ein Jahr her, dass ich mich, bei Schneeregen und Hagel, einem typischen 2. April, auf mein Rad gesetzt habe um nach Kapstadt zu radeln? Mir kommt es eher so vor, als ob ich gerade erst losgefahren bin. Doch wenn ich dann mal wieder gefragt werde, wie es mir bisher so ergangen ist, stelle ich fest, dass ich viel zu erzählen habe. Von den Strapazen in den Hochöfen der Sahara, schrecklichen Wüstenpisten mit Wellblech, Sand endloser Monotonie und unglaublich freundlichen Menschen. Von gebirgigen Tropen, endlosem Regen und noch endloseren Steinigungen, atemberaubenden Savannen, Begegnungen mit Elefanten, Löwen, Schimpansen, Giraffen und so ziemlich allem, was Afrika an Tier- und Pflanzenwelt zu bieten hat, von Vorurteilen und Offenherzigkeit und vielem vielem mehr.
Als ich vor einem Jahr aufgebrochen war hatte ich nicht einmal ein vage Ahnung davon, was auf mich zu kommen würde, und Dinge, die damals so exotisch für mich waren, dass ich sie mir kaum vorstellen konnte, sind mit der Zeit zum normalen Alltag geworden.
Von München aus war ich dem Wasser (Isar, Donau) zum Schwarzen Meer gefolgt, um dann in der Türkei fest zu stellen, dass ich kein Visum für Syrien bekomme, kam so in die Gelegenheit ein wenig von Griechenland zu sehen, bin von dort nach Ägypten geflogen, durch die Wüste nach Sudan um mich bei über 50 Grad im Schatten durch die Sahara zu kämpfen. Im Äthiopischen Hochland angekommen, fand ich mich plötzlich in der Hölle wieder. Lepra- und Polioepidemien, unglaublich Aggression und Zerstörungswahn gepaart mit einigen der schönsten Landschaften, die ich je gesehen habe und der größten Dichte an sinnlosen Hilfsprojekten. In Kenya wurden Giraffen und Zebras zum normalen Straßenbild. In Uganda kam ich dazu, die Quellen des Weissen Nil zu befahren, bevor diese durch einen neuen Staudamm vernichtet werden. ICh sah, was die Zuckerrohrproduktion (Biodiesel) vom Regenwald übrig gelassen hat und konnte mit Elefanten und Löwen radeln. Konnte mir in Ruwanda ein eigenes Bild von den Paradoxien nach dem Genozid machen. Habe in Tanzania unbevölkertes Buschland (und Tsetsefliegen) mit den massentouristischen Abfertigungen von Zanzibar vergleichen können, war viel Tauchen und habe meine Eltern wieder getroffen, die mich zum 50. Geburtstag meiner Mutter besucht hatten, und bin gerade in Malawi mit meiner Schwester unterwegs.
Ich kann zwar sagen, dass mich die Tour jetzt schon verändert hat, kann es aber nur sehr schwer greifen, da alles so langsam von statten geht, das ist ja gerade das Schöne am Radfahren. Und noch immer bin ich mir nicht wirklich im Klaren, warum ich das alles eigentlich mache. Ich hatte wohl einfach Lust darauf. Aber die oft gestellte Frage, wie ich auf diese Idee gekommen bin, kann ich nach wie vor nicht beantworten. Allmählich rückt Kapstadt in erreichbare Nähe und ist nicht mehr nur ein abstrakter Begriff in weiter Ferne. Leider nähern sich auch meine Finanzen dem Ende und so muss ich mich langsam der Tatsache stellen, dass das alles irgendwann zu Ende geht. Sicher ist aber, dass dies nicht die letzte Tour seine wird und dass das Ganze nicht wirklich geholfen hat, mich mehr Dem europäischen Leben anzupassen und gesellschaftskonform zu werden. Aber das hatte ich ja auch niemals vor.
Von Dodoma aus fuhr ich dann auf direkten Wege nach Dar Es Salam. Zwar auf guter
Asphaltstraße, jedoch mit einem derart mörderischen Verkehr, dass selbst die Gegend um Istanbul wie eine Spielstraße erscheint. scheinbar hat Tansania keine maximal Alkoholgrenze sonder eine Minimal. Und die liegt anscheinend bei gut 2,3 Promille. Hinzu kommt, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung der einfachen Rechnung (PS/(Luftwiederstand x Rollwiderstand)) folgt. OK, zugegeben, die Übersetzung des Getriebes spielt auch noch eine Rolle. Durch die vielen Unfälle fuhr ich oftmals knöcheltief in Glas/Metall/Reifensplittern, was die Sache nicht wirklich verbesserte. Nach dem 8ten Platten und dem 5ten Hechtsprung in den Straßengraben gab ich dann schließlich auf und liess mich von einem LKW Fahrer die letzten 80km nach Dar mitnehmen. Bei dem Versuch, mal wieder eines der defekten Pedale auszutauschen, musste ich feststellen, dass sich, durch das ständige Eiern der gebrochenen Pedale, die Kurbeln verbogen hatten. So beschloss ich erst ein mal eine Weile in Zanzibar
Tauchen zu gehen, um ein wenig zu entspannen. In Puncto Tauchen war ich auch recht erfolgreich, nur das mit dem Entspannen fiel mir, dank Massentourismus, recht schwer (hier zu in Kürze einige Kurzgeschichten). So war ich schließlich recht froh, als ich nach 10 Tagen endlich wieder von der Insel zurück aufs Festland wechselte.
Um mich von dem Tourismusschock zu erholen, gönnte ich mir dann noch ein paar Tage Ruhe an einem ruhigen Strand in der nähe von Dar und plante meine Expedition in das Selous-Game-Reserve. Als ich dann einige Tage später an die Abzweigung und gleichzeitig das Ende der Ausbaustrecke kam
und mich entscheiden musste, ob ich wirklich nach Selous weiter wollte oder doch lieber direkt nach Mtwara fahren sollte, fiel die Entscheidung recht einfach. Bereits die Hauptstraße war bis zu Hüfttiefe unter Wasser. So quälte ich mich zwei Tage lang durch die 60km Schlamm und stellte befriedigt fest, dass ich um einiges schneller war als die sonst so nervigen LKWs. Als dann nach 60km die Straße wieder anfing, war ich sehr angenehm überrascht, da laut meiner Karte noch 200km schlechte Piste hätten folgen sollen. Andererseits war ich so um einiges zu früh, um mich mit meinen Eltern in Mtwara zu Treffen. Also versuchte ich in Kilwa noch ein wenig Zeit zu schinden. In Kilwa Kiswani ist eines der wenigen kulturellen UNESCO-Weltkulturerben zu finden. Eindrucksvolle Ruinen zeugen von der frühen (und leider längst vergangenen) Blüte der Swaheli (Ostafrikanisches Küstenvolk).
Auch ging ich noch mal tauchen und konnte mir ein deprimierendes Bild über die Folgen des weit verbreiteten Dynamitfischen machen. Dennoch kam ich 12 Tage zu früh in Mtwara (genauer gesagt Mikindani ca. 10km nördlich) an.
Ich nutze die Zeit noch ein wenig zum Tauchen.
Nach zweieinhalb Wochen mit meiner Familie, die ich
unter Wasser mit meiner Schwester
beim Tauchen verbrachte und einen weiteren Ausflug nach Kilwa, diesmal mit meinen Eltern und meiner Schwester zusammen, hoffte ich endlich wieder auf mein Rad zu kommen, welches nun, dank der vielen Ersatzteile, die meine Eltern mitgebracht hatten, wieder voll Einsatz fähig ist.
Pünktlich nach einem Jahr brachen mir dann beim Zelt abbauen gleich drei Stangen auf einmal. Und ich hatte nur eine Ersatzstange dabei. Aber mit ein wenig Blumendraht und Klebeband liessen sich die beiden anderen zum Glück notdürftig flicken. Beim Packen musste ich dann noch feststellen, dass meine Lampe und das Schweizermesser verschwunden waren. So erklärte ich jedem, dass ich so lange bleiben werde, bis ich meine Sachen wieder habe, und tatsächlich tauchte zumindestens die Stirnlampe nach fast einer Woche wieder auf. Leider kann ich nicht warten, bis auch noch das Messer wieder auftaucht, da ich sonst Probleme mit meinem Visum bekommen werde.
In Ndanda blieb ich dann noch einmal für einen Tag bei Adrian, einem Deutschen, den ich in Mikindani kenne gelernt hatte, um meine Schaltung einzustellen, und machte mich dann auf den Weg nach Songea um von dort aus die Fähre nach Malawi zu nehmen. In Tunduru, nach endlosen km Sand und viel Schieben,
erfuhr ich von meiner Schwester, die gerade in Songea ein Praktikum in einer Druckerei machte, dass es die Fähre nicht mehr gab. So geriet ich mal wieder in Zeitstress, um rechtzeitig an der Grenze zu sein. Gegen all meine Erwartungen war die Straße, zu mindestens aus Radfahrersicht, gar nicht mal so schlecht und führte mich durch den nur spärlich besiedelten Wild Korridor zwischen Malawi und Tansania.
Als ich jedoch ca. eine halbe Tagesetappe vor Songea feststellen musste, dass ich mehr Blut im Urin hatte als Urin, beschloss ich die verbleibenden 80km bis Peramiho, und somit dem zweitgrößten Krankenhaus in Tansania, per Anhalter zurück zu legen. Ich habe zwar immer noch keine Ahnung, was genau ich eigentlich habe, was größten Teils mit der völlig unverständlichen Sprechweise der hiesigen Ärzte zusammen hängt, jedoch wurde mir ein ganzes Sammelsurium an Antibiotika verschrieben und dazu eine ernste Mine aufgesetzt. Es handelt sich jedoch wohl um eine Infektion (soviel konnte ich dem Genuschel auf mehrmaliges Nachfragen entnehmen) jedoch bin ich mir absolut im Unklaren wodurch diese verursacht wurde oder auch nur wo genau diese sitzt. Erstaunlicherweise verläuft das ganze nahezu schmerzfrei, wenn man mal von dem unangenehmen Gefühl absieht, welches verursacht wird, wenn sich geronnenes Blut und Eiter seinen weg durch die Harnröhre bahnt. Nach dem ich rausgefunden habe, dass die Symptome auch auf Bilhaziose zutreffen, ging ich noch einmal in das Krankenhaus, gab aber nach einigen Stunden wieder entnerft auf. Auf Grund des guten Rufs des Krankenhauses trifft jeden Tag eine wahre Flut von Kranken ein, leider gibt es keinerlei Einrichtungen, um diesen Strom zu regeln. So herrscht im Wartebereich das Recht des Stärkeren. Gerangel und kleine Kämpfe um die besten Plätze sind der Regelfall, die Ärzte selektieren die Patienten willkürlich (und definitiv nicht nach Schwere der Erkrankung), und dass ich als Weisser bevorzugt werde macht die Sache nicht besser. Von daher habe ich beschlossen, die Bilharziose-Medikamente einfach mal eigenständig zu kaufen und so auf Nummer sicher zu gehen.
Auf der Karte hatte es nach einer schönen Route ausgesehen, fern ab der großen Straßen quer durch den Busch. Und genau das war es dann auch.
Die Straße von Kamaha nach Tabora ist eine der ältesten Kolonial Straßen die irgendwann im 19. Jahrhundert unter den Deutschen, als Kopfsteinpflaster Straße durch den Busch gebaut wurde. Leider ist sie seit dem nicht mehr in Stand gesetzt worden.
Von daher war die Straße für alles mit mehr als zwei Rädern unpassierbar. Nun, ich habe zum Glücke nur zwei. Jedoch war es oftmals nicht einfach auszumachen, wo sich in diesem Sumpf-Wald-Busch Gemisch die Straße befinden sollte. Oftmals waren einige verstreute Pflastersteine der einzige Hinweis, dass ich mich noch auf dem richtigen Weg befand.
Mit durchschnittlich 9km/h kroch, schob, kletterte, und manchmal fuhr ich durch diese wunderbare Landschaft. Und Nachts hörte ich das Brüllen von Loewen. Eindeutig zu nahe für meinen Geschmack. Nach zwei Tagen im Busch war ich darum doch recht froh, endlich eine Ortschaft erreicht zu haben. Und ich wurde mehr als freundlich empfangen. Die lokale Verwaltung bot mir an, das einzige Gasthaus in der Gegend, welches gerade ueberfuellt war, zu räumen und mir eine bewaffnete Nachtwache zuzuteilen. Nur mit Mühe schaffte ich es, sie davon zu überzeugen, dass ich im Hinterhof der einzigen Bar, dessen Besitzer auch einer der wenigen Englischsprachigen Menschen im Ort ist, mein Zelt aufbauen kann. Um die Nachtwache kam ich jedoch nicht herum. Den groessten Teil der Nacht verbrachte ich bei politischen Diskussionen mit einem Moskau treuen Kommunisten. Am Morgen wurde ich dann noch als Ehrengast zu einer Taufe geladen, und mir wurde vom Vater und Bürgermeister versichert, dass das Kind eine gute Schulbildung bekomme, um später dann selbst auf Reisen gehen zu können. Schließlich war es ganz klar ein Zeichen Gottes, dass der einzige Weisse seit über 10 Jahren puenklich zur Taufe erschien, und dann auch noch auf dem Fahrrad. Schon erstaunlich, was sich in derartigen Dörfern abspielen kann.
Über Tabora machte ich mich dann auf den Weg in Richtung Dodoma (ist übrigens die Hauptstadt von Tansania) da ich mal wieder Aspahltstrasse haben wollte. Jedoch musste ich hierfür weitere 300km Buschland durchqueren.
Zwar gab es diesmal eine Art Straße diese war jedoch völlig versandet und durch den Dauerregen derart aufgeweicht, das ich zum Teil bis zu den Naben im Schlamm versank. Und dort wo sie nicht ganz so durchweicht war fand ich meinen alten Feind, die Wellblechpiste wieder. Hinzu kam, das sich die neuen Pedale auch schon wieder so gut wie verabschiedet hatten, es stetig bergauf ging, mir ein starker, zum Teil sturmartiger Wind entgegen kam und tausende von Tzeze Fliegen über mich herfielen. Tzezefliegen sind nicht nur die Übertraeger der Schlafkrankheit, sonder tun auch noch höllisch weh. Als kleine Dreingabe gab es auch noch so gut wie keine Nahrungsmittel. Kurz um es war die Hölle. Irgendwie schaffte ich es dann doch noch bis nach Manyoni wo ich endlich, mal wieder, die Pedale ersetzen konnte, und eine, ausnahmsweise mal gute Überraschung auf mich wartete. Die Straße nach Dodoma war gerade asphaltiert worden.
Eigentlich wollte ich ja nur ein paar Tage bleiben, aber die unglaubliche Gastfreundschaft von Victor und die atemberaubende Landschaft hielt mich dann doch drei Wochen fest. Kurz nach Weinachten machte ich mich dann endlich wieder auf den Weg, zurück nach Kigali. Als ich jedoch nach ca. 60km Mittagspause an einem Wasserfall machte, wurde mir meine Lenkertasche gestohlen. Zusammen mit Reisepass, 300$, Bankkarten, Kamera und so ziemlich allen andern wichtigen Sachen. Daher machte ich mich per Anhalter auf den Weg nach Kigali, um mir einen Übersetzer zu organisieren. Erstaunlicherweise bekam ich am nächsten Tag so ziemlich alles wieder. Bis auf den Ausweis und die Bankkarten. Letzteres fand nach einigen Tagen, dank der Belohnung von 20$, die ich die ich versprochen hatte, ihren Weg zu mir zurück. Jedoch ist der Ausweis noch immer nicht aufgetaucht. Obwohl der Deutsche Botschafter einige Wochen zu vor des Landes verwiesen worden war, war es erstaunlich einfach, einen neuen Pass zu bekommen. Nicht jedoch den fehlenden Einreisestempel, welcher für die Ausreise von Noeten ist. Im Grunde sind Deutsche in Ruanda nicht Visa pflichtig. Der Trottel im „Migration office“ meinte jedoch, er müsse mir 60$ berechnen. Da ich nicht gewillt war, diese horrende Summe zu bezahlen, machte ich mich auf den Weg nach Tansania. Ohne Einreisestempel. Im Grunde vertraute ich einfach darauf, dass der Grenzbeamte, so wie alle Beamten in Afrika, korrupt ist und ich mit 20$ die ganze Sache regeln könne. Bloederweise fraß sich mein rechtes Pedal auf halber Strecke fest. Aber ich bin schließlich in Afrika. Darum fand ich schnell einige begabte Mechaniker, die das Problem lösten. Zu mindestens vorübergehend. An der Grenze konnte ich den Beamten in Ruanda, erstaunlicherweise, davon überzeugen, mir den Ausreisestempel zu geben, ohne dafür Geld zu verlangen.
Kaum hatte ich jedoch den Grenzfluss überquert und das Tanzanische Visum erworben, gab mein Pedal voellig den Geist auf. Da die Grenzstation direkt nach mir Feierabend machte, schlief ich im Grenzerhaeuschen um mir dann, am nächsten Morgen eine Mitfahrgelegenheit
in die nächste Stadt ( Kamaha ) zu organisieren. Dort fand ich dann nach einigem Suchen Plastik Baerentazen als Ersatz für meine Klickpedale.
Aus Hollywoods trash-movies hinlänglich bekannt (wahrscheinlich mehr noch als die „Afrikanische Killerbiene“, von der ich leider noch keine Bilder habe) treiben in Afrika tatsächlich diverse Arten Wanderameisen ihr Unwesen und verspeisen alles, was nicht schnell genug flüchtet. Bisher hatte ich schon recht viele Begegnungen mit diesem Naturschauspiel, welches mit bis zu 20mio Ameisen durchaus auch mal größere Wirbeltiere vertilgen kann. Jedoch hatte ich nun zum ersten mal die Gelegenheit, das ganze zu dokumentieren (mit nur geringem Blutzoll), da ich sonst eher Abstand suche.
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Aufmerksam wurde ich auf die Ameisen durch Massen von fliehenden Insekten (die in diesem Fall bei Kontakt nicht weniger schmerzhaft sind, da diese Raupensorte erstaunlich giftig ist und ein stark ätzendes Sekret bei Kontakt absondert)
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Da ich nicht schon wieder ewig in einer Großstadt herumlungern wollte, nur um auf die nötigen Ersatzteile zu warten, beschloss ich, mich auf den Weg zum Lake Kivu zu machen, wo mir Adrian (ein anderer Radfahrer aus der Schweiz) ein Waisenhaus empfohlen hatte. Die ersten Km fingen viel versprechend flach an. Zu flach. Derartiges rächt sich meist recht schnell und Rwanda ist ja das Land der 1000 Hügel. Und so quälte ich mich schon bald eine endlose Steigung nach der anderen hoch, wurde aber andererseits mit atemberaubenden (das ist durch aus wörtlich gemeint) Abfahrten belohnt und konnte feststellen, dass selbst leichter Nieselregen ab 60km/h zum soliden Widerstand wird (Spitzengeschwindigkeit: 83,5km/h).
Schon seit einiger Zeit bekomme ich immer wieder von andern Reisenden zu hören, dass die Menschen in Rwanda ausgesprochen freundlich sind, habe jedoch nie so recht daran glauben können. Bei dem Aufstieg auf einen der ersten Hügel wunderte ich mich dann sehr, als ich feststellte, dass Steigung und Tretwiderstand einfach nicht zusammen passten. Und das zu meinen Gunsten. Es brauchte eine Weile bis ich registrierte, dass zwei Kinder hinten anschoben.
Normalerweise bin ich gewohnt, unter Kindern eine gewisse Aufregung zu verursachen, die sich im Regelfall in „Give me money“- und „Muzungu“-Rufen ausdrückt. Noch nie jedoch wurde ich von Kindern kommentarlos den Berg hoch geschoben. Oben angelangt dann die nächste Überraschung. Spätestens hier hätte ich die Frage nach Irgendwas erwartet. Aber dem war nicht so, im Gegenteil: ich musste die Kinder zurückrufen, um ihnen wenigstens ein paar Bananen zu geben. Und es sollte nicht bei dem einen Mal bleiben.
Als sollte dies nur die Vorbereitung sein, um mein, seit Äthiopien, etwas angespanntes Verhältnis zu Kindern wieder zu bereinigen, traf ich während meiner Mittagspause in Gitarama auf den Arzt eines Waisenhauses ( A Home For Children ) und wurde auch prompt dazu eingeladen, eine Nacht zu bleiben. Aus der einen Nacht wurden dann doch noch vier und alle dort sind mir sehr ans Herz gewachsen.
Von Gitarama aus ging es dann weiter zum Lake Kivu. Ich hatte auf meiner Karte einen Regenwald Nationalpark entdeckt und beschloss, die 250km Umweg in Kauf zu nehmen. Da der Wald groesstenteils auf ueber 2500m liegt und ich mich noch auf knappen 1500m befand, wollte ich am ersten Tag so weit wie moeglich rauf kommen, um dann am naechsten Tag keine probleme bei der Durchquerung des NP’s zu bekommen. So uebernachtete ich in Gikonguru nahe der NP-Grenze auf knapp 2000m Hoehe.
Es haetten laut Karte nur knappe 60km sein sollen, die mich von der anden Seite des NP’s trennten. Jedoch mit einer beachtlichen Menge Hoehenmeter dazwischen. 2300hm und 87km spaeter fing ich dann an, der Karte etwas zu misstrauen. Ich war bereits 5.30h unterwegs und laut Karte haette ich schon seit einer Weile im Kongo sein sollen (wo ich ganz gewiss nicht hin wollte), in Wirklichkeit befand ich mich aber gerade erst am Ausgang des NP’s und zur naechsten Ortschaft waren es, laut Karte noch einmal 15km; nun, es wurden 30km. Bloederweise hatte ich nicht fuer eine derartige Strecke kalkuliert und hatte viel zu wenig Wasser und Essen dabei. Und so war ich recht froh, als ich Unterkunft in einer Kirchenmission fand.
Nach Kibuye, meinem eigentlichen Ziel, waren es laut Karte noch knappe 50km. Durch meine Erfahrungen gewarnt, rechnete ich mit dem Schlimsten. Natuerlich hatte ich mir hier die einzige nichtasphaltierte Strasse Rwandas rausgesucht. Und wie befuerchtet waren es natuerlich keine 50km sondern huegeliche 94km mit noch eimal 2100hm. Auf dem Weg dort hin traf ich noch auf einen Landcruser mit deutschen Touristen, die sichtlich faszieniert von meiner Tour waren. Nach einer Weile kamen wir auch auf die defekte SDKarte meiner Kamera zu sprechen und sie gaben mir kurzerhand eine neue 4GB Karte. VIELEN DANK an dieser Stelle. Endlich ist es mir wieder moeglich, Bilder zu machen. In Kibuye angekommen fand ich dann heraus, dass das angestrebte Waisenhaus 30km in die Richtung lag aus der ich gekommen war. Zwar gab es dort recht grosse Schilder, jedoch alle so ausgerichtet, dass sie nur von Kibuye aus kommend gelesen werden konnten. Gluecklicherweise bekam ich eine Mitfahrgelegenheit auf einem Pickup und erreichte so, kurz vor Einbruch der Dunkelheit mein Ziel.
Von Kabale aus ging es dann erst einmal zum benachbarten Lake Buyonyi, wo ich mir eine Woche Pause gönnte. Denn zum einen war ich nach den letzten Tagen ein wenig geschafft, und zum anderen wollte ich so viel Zeit wie möglich verstreichen lassen, bevor ich mich nach Rwanda wagen wollte. (wenige Tage zuvor war eine der Spitzen-Politikerinnen Rwandas in Frankfurt verhaftet worden worauf hin die Regierung Anti-Deutschland Demos organisierte). Als ich mich dann endlich nach Rwanda aufmachte, kam ich, mal wieder dank heftigem Regen, viel zu spät los. In Kabale nahm ich dann auch noch die falsche Abzweigung und radelte so 20km den falschen Berg rauf. Gegen halb drei erreichte ich dann doch noch die Grenze. Aber es waren noch 80 km bis Kigali und ich hatte schon 60km hinter mir. Die zunächst flache Straße und Rückenwind machte mir Hoffnung, es tatsächlich noch bis Kigali zu schaffen. Bis dann der Anstieg zu einem auf 2300m gelegenen Pass kam. Oben angelangt hatte ich keinerlei Hoffnung mehr, rechtzeitig nach Kigali zu kommen, doch ein Blick auf die Karte verriet mir, das Kigali zwar noch 40km entfernt war, sich jedoch fast 1000 Höhenmeter unter mir befand. So erreichte ich grade noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang die Hauptstadt, stellte überrascht fest, dass es hier Straßenbeleuchtung gibt (das letzte mal hab ich so was in Griechenland gesehen) und fand so relativ leicht meine Unterkunft. (ich hatte gerade 150km mit einem Schnitt von 24km/h geschafft. Das ist wohl meine persönlich Bestleistung; Wüstenetappen ausgenommen, da dort einfach andere Windverhältnisse herrschen)
Nach dem der Tag mit heftigen Regen startete, dachte ich schon, dass ich noch einen Tag in meinem Camp verweilen müsse. Aber gegen 9 Uhr hörte der Wolkenbruch dann doch auf und so kam ich, wenn auch erst mittags, doch noch los. Allerdings nicht sehr weit. Nach dem ich mich die 25km Schlamm und Schlaglochpiste zurück nach Fort Portal gearbeitet hatte und die Stadt gerade hinter mir gelassen hatte, überholte mich ein LKW so dicht, dass ich in den Straßengraben ausweichen musste, und mit der hinteren Tasche an einem Betonpfosten hängen blieb, was der eh schon angeschlagenen Halterung letztlich den Rest gab. Verzweifelt über eine Lösung grübelnd, wurde ich von einem Missionar aufgelesen, der mich mit zur besten Werkstatt nahm, meine Halterung reparieren liess, mich zum Essen einlud und mich kurzerhand, da in seinem Haus kein Platz mehr war, in einem der besten Hotels einquartierte. Vielen Dank an dieser Stelle noch mal. Am nächsten Morgen machte ich mich dann, zum wiederholten male, auf nach Kasesse. Als ich dann den Äquator passierte (nun schon zum fünften mal auf dieser Tour, verliert allmählich ein bisschen an Reiz) merkte ich, dass ich Kasesse wohl verpasst hatte. Und das um volle 30km. Also radelte ich Kurzerhand in den Queen Elisabeth Nationalpark hinein, etwas, was ich mir eigentlich für den nächsten Tag vorgenommen hatte, ohne zu wissen ob und wenn ja es irgend wo eine Übernachtungsmöglichkeit gibt. Nachdem ich einige noch schwelenden Buschfeuer vom letztem Gewitter passiert hatte, mich kurzeitig in einer Büffelherde wieder fand und noch zwei Gewitterstürme passiert hatte, fand ich dann doch noch eine Bleibe für die Nacht.
Der nächste Tag hätte besser fast nicht werden können. Schon für Morgens begegnete ich einer Gruppe Elefanten,
Von dort aus ging es dann Richtung Rwanda. Das heisst ab in die Berge. Den größten Teil des Tages quälte ich mich bei über 30 Grad im Schatten und Luftfeuchtigkeit von über 80% einen Pass hinauf. Auf der andern Seite folgte ich dann dem, was auf meiner Karte als Hauptstrasse eingetragen ist. Und fand einen neuen Favoriten in punkto schlechteste Strasse Platz 2. Mit bis zu 23% runter wie rauf und das ganze in einem, zum Teil bis auf das Grundgestein ausgewaschenen, Sturzbachbett.
Als ich dan spät Abens doch noch in Kabale an kam, stellte ich erstaunt fest, dass ich über 2500m geklettert war, und das mit einm Durchschnittswert von 8% und dann auch noch 96km geradelt war. Ich finde, es ist mal wieder Zeit für eine Pause. Also auf zum Lake Bunyoni!
Nach dem ich zwei Wochen in Kampala hängen geblieben bin, da, mal wieder, meine Bankkarten ihren Dienst versagt haben, und ich, auch mal wieder, auf Gil, einen Israeli, getroffen bin, haben Gil und ich beschlossen, gemeinsam weiter zu radeln. Dass er kein Rad hatte sollte dabei eigentlich das geringere Problem seien. So dachten wir uns. Nach dem wir jedoch das PreisQualitätsverhältnis auf den lokalen Radmärkten gesehen hatten, beschlossen wir, dass es wohl doch besser ist, wenn jeder weiter macht wie bisher.
Also machte ich mich auf den Weg Zum Kigale Nationalpark, um mich dort mit der weltweit einzigen, kannibalischen Schimpansen Population zu beschäftigen. Auf dem Weg zu diesem größten verbleibenden Fleck Regenwald, ist sehr schön zu sehen, wo der restliche Wald geblieben ist. Bergeweise Holzkohle türmt sich nächst der Straße, und Zuckerrohr bildet einen monotonen Einheitsbrei soweit das Auge reicht, nur selten durchbrochen von einengenden Tee Plantagen.
Als ich dann, drei Tage und 376km später, den Regenwald erreichte, schmerzte es schon sehr, zu sehen, welch wunderbare Schönheit da dem westlichen Zuckerhunger zum Opfer fällt.
Da ich mir den Tag mit den Schimpansen für meinen Geburtstag aufheben wollte, begann ich erst einmal damit, die vielen Kraterseen in dieser Gegend mit dem Rad zu erkunden. Ein Fehler, wie sich nachher herausstellte. Auf Grund der derzeitigen „kleinen“ Regenzeit war alles derart aufgeweicht, dass ich mehr Zeit damit verbrachte, das Rad von Schlamm zu befreien,
Eine Woche bin ich nun schon am der Quelle des Nils. Campieren mit Blick auf die Bujagalifalls
und Kajakfahren bis an den Rand der Atemnot. Wohl der Traum eines jeden Paddlers. Mit ca 35,000m³/s ist der Nil wohl eines der wasserreichsten Wildwasser der Welt und die 23Grad Wassertemperatur machen auch eventuelle Schwimmerlebnisse -beinahe- zur Freude. Dies konnte ich gleich am ersten Tag meines „Ausgleichsportprogrammes“ aus erster Hand erfahren. Gleich zwei mal verliess ich mein Boot und übergab mich der Willkür des „Spirt of Bujagali“. Erstaunlicherweise meisterte ich jedoch die schwierigeren Abschnitte ohne Probleme und nach kurzer Zeit fand ich auch heraus, dass das meiste hier nicht eine Frage der
Technik sonder viel mehr des Lungenvolumens ist. die meisten Stromschnellen sind durchaus komplett kopfüber befahrbar und so hatte ich viel Zeit, die Unterwasserwelt zu bewundern.
Besonders die Kinder zeigen ein reges Interesse am Kajakfahren und so ist es möglich, sich im Tausch gegen ein paar Kajaklektionen, das Boot vom Ausstieg zum wartenden Bodaboda (Motorradtaxi) tragen zu lassen, welches einen dann in abenteuerlichem Tempo quer durch den Busch zurück zum Campingplatz und dem wartenden Chapatty ( eine Art Mischung aus Pfannkuchen und Fladenbrot, welches, je nach Vorliebe, um Omlett und Avokado oder Nutella und Banane gewickelt wird) bringt. Ja Chapatty! Und wohl das beste, das ich bisher gegessen habe. der Chapattystand mit dem etwas hochgegriffenen Namen „Bujagali Chapaty Company“
wird von zwei Brüdern geleitet, die Täglich 16-17 Stunden hinter dem unerträglich heißen Herd stehen und einem mit Herz und Liebe besagte Köstlichkeiten zubereiten; und das zu Preisen, die selbst für hiesige Verhältnisse billig sind. So weiss ich nicht, ob ich die Chapattymeister oder den Nil mehr vermissen werde, wenn ich demnächst weiter fahren werde.
Von hell’s gate aus ging es dann richtung Uganda weiter. da ich mich mal wieder nach dem „einfachen“ leben sehnte dies in afrikas ländlichen gegenden zu finden ist, beschloss ich, die asphaltstrasse zu verlassen und mich auf die schotterpisten zu stürzen. leider nahm ich dann die falsche abzweigung, so dass ich nach 40km schotterspass wieder auf der hauptstrasse landete. interesanterweise stören sich die zebras viel weniger an dem schwerlastverkehr als ich. Und so radelte ich die nächsten tage zwischen zebras und pavianen auf der einen, und mörderischen LKW’s und bussen auf der andern seite auf einer brandneuen, von der EU erbauten schnellstrasse in richtung westen. In Nakuru wurde ich dann mal wieder krank und wurde so für drei tage ans klo gefesselt.
Von dieser wiederholten zwangspause angespornt beschloss ich, die nächsten tage bis Jinja in Uganda mal sportlich anzugehen. So brauchte ich nur drei tage für die 440km.
Meine hoffnung, in Jinja einen job als kajaklehrer zu bekommen, erfüllte sich leider nicht. Allerdings bekam ich einen großzügigen rabatt, um mir alles notwendige zum paddeln zu leihen, und mich so, gemeinsam mit einigen anderen paddlern, auf eigene faust ins vergnügen zu stürzen.
Der Weisse Nil ist mit XXL qubikmetern in der sekunde ein recht mächtiges gewaesser. da ich jedoch an die beschaulich kleinen aber steilen bäche der alpen gewöhnt bin, war ich am ersten tag ein wenig überfordert und so kam es, dass ich auch prompt zweimal schwimmen musste. Allerdings sind hier die wassertemperaturen konstant um die 25grad, was das schwimmen fast schon zum vergnügen werden lässt. mittlerweile hab ich rausgefunden, dass für derartiges wuchtwasser nahezu keinerlei technik gefordert ist. sondern nur glück, gute rollentechnik und grosses lungenvolumen.
Nachdem ich ueber einen Monat in Nairobi haengengeblieben bin und einen einwoechigen Urlaub in Tiwibeach gemacht hatte, meine Bankkarten voruebergehend den Geist aufgegeben hatten, ich mir eine schwere Lebensmittelvergiftung zugezogen hatte und ich nahezu eine Woche durchgehend verkatert war, ging es endlich weiter Richtung Uganda. Gleich am ersten Tag musste ich feststellen, dass ein Monat eindeutig genug Zeit ist, um nahe zu alle Muskeln zu verlieren, die ich im Verlauf des letzten halben Jahres aufgebaut hatte und so kam ich nur muehsam voran. Nach ca. 100km Gegenwind und 980 Hoehenmeter spaeter war ich endlich am Lake Naivasha angekommen und konnte mich kaum noch bewegen. Und auch der Umstand, dass ich fast 30km im Windschatten eines LKWs fahren konnte, half da nicht wirklich weiter. Also beschloss ich unter dem Vorwand, dass ich das Wochenende abwarten wolle bevor ich mich in den Hells Gate National Park begebe, noch einen Tag Pause einzulegen. Tatsaechlich war die Entscheidung nicht so schlecht, da am Montag der Park nahe zu leer war. Schon wenige Meter nach dem Eingang befand ich mich mitten in einer Herde Zebras, durchmischt mit Giraffen, Warzenscheinen und Ampalas. Da Hells Gate einer der wenigen Parks in Afrika ist, in dem Radfahren erlaubt ist, sind die Tiere hier an Radfahrer gewoehnt, und so liessen mich so ziemlich alle Tiere, mit Ausnahme der Warzenschweine, bis auf wenige Meter heran. was mich besonders bei den Ampals, die mit ueber 2 Metern Schulterhoehe recht maechtige Erscheinungen sind, erfeute.
Nach einigen Kilometern traf ich dann auch auf die ersten Anzeichen des vulkanischen Ursprungs dieser Gegend: eine Obsidianhoehle.
Obsidian ist vulkanisches Glas, dass entsteht, wenn Magma auf Sand trifft und diesen dabei schmilzt, ohne sich zu vermischen. einige Huegel (mit bis zu 23% Steigung)
spaeter wurde die malerische Stille von dem ohrenbetaeubenden Geraeusch eines Duesenjaegers durchbrochen, so dachte ich zumindestens. Einige Meter spaeter wurde mir klar, dass es sich um eines der ersten Erdwaermekraftwerke Kenyas handelt. Um dem Laerm zu entgehen beschloss ich, die Wanderung durch die beruehmte Georgsklamm zu wagen, um zu dem eigentlichen Hoellentor, welches durch heisse Quellen am Ende dieser phantastischen Schlucht gebildet wird, zu gelangen. Nach dreistuendiger Kletterpartie sah ich schliesslich ein, dass Sandalen wirklich nicht das richtige Schuhwerk fuer derartige Aktionen sind und machte mich auf den Rueckweg. Allerding nur um zu erfahren, dass ich nur noch 500m weiter gehen haette muessen. Zur Entschaedigung traf ich auf dem Rueckweg dann noch auf eine Herde von ca. 40 Bueffeln, welche mir gefaehrlich nahe kamen, und einige Sekretaersvoegel.
In mojale traf ich dann auf eine ganze reihe overlander, unter anderem auch zwei niederlaender, die mit einem VW T3 unterwegs sind und die ich noch des oefteren treffen sollte. In mojale verabschiedete ich mich auch mal wieder von der asphalt strasse und konnte mich auf eine der schlechtesten schotterpisten freuen, die ich jemals befahren hatte. Anfangs war das ganze nicht so schlimm. Die waschbrett abschnitte hielten sich in grenzen und nur der staub, der von den LKWs aufgewirbelt wurde, die mit ihren oftmals sehr spannenden beladungen gelegentlich vorbeikamen, stellte ein problem dar. Aber nach ca 80km veraenderte sich das aussehen total. Zwar bekam ich einiges an lokalem wildlive zu sehen, aber die strasse verwandelte sich in eine, mit fussball grossen steinen uebersaete waschbrettpiste, auf der das fahren nahezu unmoeglich war. Und auch der fussweg, der neben der strasse entlang lief, war keine bessere option, da dieser mit akaziendornen uebersaet ist, welche sogar autoreifen perforieren. So konnte ich mich also entscheiden zwischen mit unter schrittgeschwindigkeit dahinholpern oder alle paar minuten platten flicken. Ich entschied mich letztlich fuer irgend was dazwischen, was zur folge hatte, dass ich nicht vorankam und alle paar minuten die reifen flicken musste. Irgend wo bei 100 platten hoerte ich zu zaehlen auf und als mir schliesslich auch noch die selbstgemacheten flicken, die ich aus einen meine ersatz schlaeuche geschnitten hatte, ausgingen, beschloss ich, per anhalter weiter zu fahren. In Turbo traf ich dann auf einen anderen muenchner, der mit seinem UNICAT unterwegs ist. So fuhr ich also mit dieser mischung aus monstertruk und luxsus villa bis marsabit mit und stellte frustriert fest, dass in diesen gefaerht von der strasse ueberhaupt nichts zu spueren war.
In marsabit traf ich dann wieder auf die niederlaender und beschloss ,da ich immer noch keine flicken hatte, mit ihnen mit zu fahren. Nachdem der unterbodenschutz, der die strasse nicht ganz so gut weggesteckt hatte wie der UNICAT, mit ein paar kraeftigen hammerschlaegen wieder in form gebracht war, ging es also weiter nach Isiolo. Nach einigen km stellten wir dann auch noch fest, dass sich beide stossdaempfer hinten verabschiedet hatten und, wie sich spaeter heraustellte, auch beide federn gebrochen waren. So brauchten wie fuer die 250km nach Isiolo auch 2 tage. Nach einem tag pause beschlossen wir dann, uns huehner zu kaufen und uns noch einen tag pause ausserhalb der stadt zu goennen und eine kleine grillparty zu veranstalten.
Von dort aus ging es dann getrennt weiter und ich konnte die wunderschoene gewitterkulisse geniessen, die mir den blick auf den Mt. Kenya versperrte. Kurz vor dem aequator riss die wolken decke dann doch noch auf und gab den blick auf den schnee bedeckten gipfel frei. Kurz nach der aequatorueberquerung holte mich das gewitter dann doch noch ein und die temperaturen fielen auf unter 10grad. Die naechsten zwei tage verbrachte ich dann auf der autobahn, die nach nairobi reinfuehrte und so ging ich das ganze mall wieder sportlich an und fuhr die 350km in zwei tagen.
Ja, aetiopien. es hat lange gebraucht, bis ich mich dazu durchringen konnte, da mal was zu schreiben.
die kurzfassung ist wohl: horrortripp vor landschaftlich schoenster kulisse. leider hab ich so gut wie keine bilder von diesem reiseabschnitt.
nachdem ich die grenze ueberquert hatte und mein erstes bier seit einem guten monat genossen hatte, die temperaturen um gute 20grad gefallen waren und sich die farbkulisse von eintoenig ocker in viel gruen gewandelt hatte, war ich fast bereit, die schreckensberichte, die ich von anderen radfahrern gehoert hatte, zu vergessen. bis dann ca 20km nach der grenze die ersten steine flogen. Aus gruenden, die ich immer noch nicht nachvollziehen kann, haben kinder und jugendliche in diesem land einen heiden spass daran, alles was sich bewegt, mit steinen, stoecken und peitschen anzugreifen.
zunaechst hielten sich derartige erfahrungen dank mangelnder be voelkerungsdichte relativ in grenzen. doch je weiter ich mich dem hochland naeherte (nebenbei musste ich mich noch von 700m auf 2800m auf meist extremschlammigen pisten hocharbeiten) um so haeufiger wurden die steinigungen. den vorlaeufigen hoehepunkt erreichte das ganze kurz vor gondar, als ich eine gruppe von ca 100-150 halbwuechsigen durchqueren musste – die alle mit steinen bewaffnet waren und dank schotterpiste auch genuegend nachschub hatten. irgendwo in diesem tumult versagten meine nerven dann endgueltig. wie wahnsinnig versuchte ich eines der mitbiester einzufangen um ihn/ihr eine zu verpassen. dabei verfolgte ich einen der jungen zum haus seiner eltern wo mich ein voellig verdutzter vater fragte, wo denn mein problem waere, es sei doch voellig normal, steine zu schmeissen.
ich vermute, es kann als affekt betrachtet werden, dass ich ihm darauf hin meine faust mit aller mir zu gebote stehender kraft ins gesicht schlug.
dass ich mir in gondar nicht einfach den naechsten flug nach hause genommen habe liegt wohl daran, dass das internet zu langsam war zum onlinebooking und alle reisebueros geschlossen waren. so verkroch ich mich statt dessen in ein billiges hotelzimmer und versuchte zu ignorieren, dass ich noch ueber 1000km in diesem schrecklichen land vor mir hatte.
nach dem ich mich in Gonder einen tag lang in den ruinen der alten palaeste entspannt hatte und nach langem warten im internetcafe erfolgreich eine verabredung mit einem anderen radler zustandegebracht hatte, fuehlte ich mich im stande weiter zu fahren. Doch auf das, was folgte, war ich nicht gefasst. Die steinigungen wurden zu einem dauerzustand und die kinder gingen dazu ueber, mich nun auch mit stoecken und peitschen zu attackieren. Irgend wann am nachmittag gab ich dann schliesslich auf, nach dem mir irgend ein idiot einen Stock ins hinterrad gestaeckt und ich so zwei speichen verloren hatte, und verlud mein rad auf einen lkw, der sich gerade von einer reifenpanne erholt hatte. So konnte ich die wunderbare landschaft mit einigen urwaldresten rund um den tanasee aus der sicherheit der fahrerkabine geniessen und stellte ueberrascht fest, dass die mistbiester keineswegs nur auf weisse warfen, wie ich anfaenglich dachte, sondern auch den lastwagen fleissig mit steinen bewarfen.
In BahirDar verkroch ich mich dann erstmal in dem einzigen campingplatz, um auf Torsten zu warten. Um die zeit zu nutzen, schloss ich mich ein paar belgischen overlandern an, um mit ihren truck zu den blauen nilfaellen zu gelanngen. gluecklicherweise waren gerade zwei von drei turbinen des kraftwerks ausgefallen und so kamen wir in den genuss von nahezu vollen nilfaellen.
Einige Tage spaeter traf dann auch torsten ein. oder bessergesagt humpelte. Ein kind war ihm ins rad gerannt und er war uebel auf die huefte gefallen, was bedeutete, dass er seine tour nach ca 16000km abbrechen muss.
Da meine schwester spontan beschlossen hatte, mich zu besuchen und in zwei tagen im fast 500km entfernten Addis Abeba ankommen wuerde, ging es wohl oder uebel mit dem bus weiter. Durch wunderschoene natur ab in den smog des grossstadttschungels. Addis ist mit 2500m einen der hoechsten hauptstaedte der welt und haelt sich tapfer auf platz 3 der luftverschmutzung. Also genau der richtige platz zum radfahren und entspannen. Meine schwester fing sich auch gleich am zweiten tag irgendwelche lustigen viren ein, flog zurueck und verbrachte die naechsten wochen im muenchner tropeninstitut. Ich traf zwei finnen die in etwa in die selbe richtung fuhren wie ich und so hatte ich fuer die naechsten tage eine reisbegleitung. kurz vor awassa trennten wir uns dann wieder und ich machte mich allein auf die suche nach dem campingplatz, von dem ich schon seit monaten von allen overlandern die mir entgegen kamen, gehoert hab. das camp, welches von einem deutsch-aetiopischen paerchen geleitet wurde und radtouren in aetiopien organisierte, stand kurz vor der aufloesung und ich war wahrscheinlich der letzte gast. ich genoss einige tage lang die angenehme atmosphaere und machte mich dann endlich in richtung grenze auf. allmaehlich aenderte sich die landschaft und mit ihr auch die menschen. von nun an waren es nicht mehr die kinder, die steine warfen, sonder die erwachsenen. ich bekam sehr unmissverstaendliche morddrohungen und wurde einigemale mit stoecken angegriffen. kurz vor mega war es dann so weit. der erste ernsthafte versuch, mich auszurauben. sechs leute stellten sich vor mir mit macheten und stoecken bewaffnet auf der strasse auf und hatte eindeutig nicht die absicht, mich weiter fahren zu lassen. da ich bereits einen nervenaufreibenden tag hinter mir hatte war ich nicht bereit, das bisschen bargeld, das ich dabeihatte, auszuliefern. also beschleunigte ich so weit wie moeglich und raste ungebremst in die wegelagerer rein, wobei zwei von ihnen zu boden gingen. noch im fallen rammte ich einem dritten meinen ellbogen ins gesicht und beobachtete erleichtert, dass die anderen drei ihr heil in der flucht suchten. so schnell wie moeglich stemmte ich mein rad wieder auf und sah zu, das ich land gewann.
am naechsten tag erreichte ich dann endlich die grenze, nicht ohne dass noch auf mich geschossen wurde und ich mir eine ganze reihe platten an den akaziendornen zuzog, und musste feststellen dass mein visum seit einem tag abgelaufen war. die grenzbeamten erklaerten mir, dass ich zurueck nach addis muesse, um mein visum zu verlaengern. da dies fuer mich nicht in frage kam, biss ich in den sauren apfel und kaufte mir den vortages stempel fuer 20$. Und dann war ich endlich aus aetiopien drausen und in kenya angelangt. definitiv war das mein letzter besuch in diesen land. Was in sofern schade ist, da aetiopien ein wunderschoenes land ist, vorausgesetzt, irgendjemand entsorgt die ganzen aggressiven idioten, die das reisen dort nahezu unmoeglich machen.
Khartoum – Bahir Dar
Nach dem ich in Khartoum mehr oder weniger erfolgreich mein aetiopien-visum bekommen habe (nur einen monat, aber besser als nichts) konnte ich mich endlich in richtung aetiopien weiterbewegen und somit die wueste endlich hinter mir lassen. kaum hatte ich die stadt verlassen, musste ich feststellen, dass der wind, der mich so treu von Cairo bis hierher gebracht hatte, um 180 grad gedreht hatte und somit nun aus der genauen gegenrichtung kam. also quaelte ich mich laut fluchend mit hoechstgeschwindigkeiten von knapp 10km/h gegen sueden.
Waehrend einer der vielen pausen hielt einer dieser allgegenwaertigen toyota pickups neben mir und mir wurde vom fahrer erklaert, dass ich ihm zur hochzeit seines bruders folgen muesse, die nur knappe 500m entfernt ist um mich dort mal richtig satt zu essen ( ich muss ziemlich scheisse ausgesehen haben der vehemenz nach zu urteilen, mit der ich zum essen genoetigt wurde). ich nahm das angebot zuerst nur zoegernd an, da ich eigentlich noch weiterfahren wollte, wurde dann aber mit dem besten essen, das ich seit langem hatte, zum bleiben ueberzeugt. am naechsten morgen nahm ich dann gut gestaerkt und ausgeschlafen den kampf gegen den wind wieder auf und fuehrte ihn auch die naechsten zwei tage recht erfolgreich weiter.
besagter wind trieb mittlerweile bilderbuch gewitterwolken vor sich her und brachte kuehle luft (35 grad) mit sich und so machte das radeln auch mit gegenwind spass.
Am dritten tag nach khartoum machte ich dann den alptraum eines jeden wildkampers mit. nach ueber einem monate in der wueste und gute 2 monate ohne regen dachte ich natuerlich nicht im entferntesten daran, mein zelt so aufzubauen, dass es wasserdicht ist, sondern verwendete es nur als mueckenschutz.
Muecken mitten in der trocken savanne? das und die maechtigen cumulus wolken haetten mich eigentlich vorwarnen sollen. aber fuer mich war regen mittlerweile so abwaegig, dass ich schon gar nicht mehr dran glaubte.
mitten in der nacht brach dann einer der heftigsten platzregen los, die ich bis dahin erlebt hatte (spaeter sollte ich feststellen, dass derartigen wolkenbrueche in aetiopien an der tagesordnung sind) fluchend sprang ich aus meinem zelt und baute es, mittlerweile knoecheltief in matsch und wasser stehend, fertig auf. kaum lag ich wieder im zelt, verspuerte ich einen starken schmerz im linken arm. im schein der taschenlampe beobachte ich, wie mein unterarm zur doppelten dicke anschwoll. nach ein paar minuten fand ich dann auch den uebeltaeter: ein Skorpion hatte mich gestochen.
am naechsten morgen quaelte ich mich, nach einer schlaflosen nacht wieder durch den schlamm zurueck zur strasse. der arm war zwar nicht mehr geschwollen, schmerzte aber noch immer wie die hoelle. aber der gedanke an das kalte bier, das mich in aetiopien erwartet, trieb mich unerbittlich weiter und befaehigte mich zu ungeahnten leistungen.
als ich dann endlich die grenze erreicht quaelte ich mich ungeduldig durch die nicht enden wollenden kontrollen auf sudanesischer seite um das land verlassen zu koennen und durch den selben spass noch mal auf der aetiopischen seite (nach dem ich eine halbe stunde gebraucht hatte, um den grenzer zu finden) und konnte mich dann endlich daran machen, alle biersorten durchzuprobiren, die erhaeltlich waren.
so, nach dem ich in Aetiopien vn meinem blog getrennt wurde (48kbs sind einfach zu langsam) bin ich jetzt nach ueber einem monat wieder in der lage zu posten. da zwischen khartoum und nairobi einiges passiert ist kann das allerdings noch nen paar tage dauern bis ich das alles getippt habe; aber ich mach so schnell ich kann.
nubien: eine der aeltesten kulturen der welt, und sie haben bis heute nicht rausbekommen, wie man strassen baut.
so zumindest mein eindruck bisher. nachdem ich mich nach einer schlaflosen nacht in assuan bereits um 8uhr morgens auf die suche nach der faehre gemacht hatte und, wie nicht anders zu erwarten, etliche probleme mit der polizei hatte, die mir mal wieder aus sicherheitsgruenden das radfahren auf der hauptstrasse verbot und ich mich deshalb durch die armenviertel um die polizeikontrollpunkte herum schlich, kam ich endlich nach 18h auf einer voellig ueberfuellten faehre im sudan an.
die ersten km am naechsten morgen legte ich auf einer wunderbaren neu asphaltierten strasse zurueck und meine laune steigerte sich erstaunlicherweise im selben masse, wie die temperatur nach oben schnellte. bis dann die strasse aufhoerte. nicht etwa einfach schlechter wurde sondern tatsaechlich einfach aufhoerte. von hier an fuehrten nur noch diverse spuren querfeldein durch die wueste. und dort wo die qualitaet des untergrundes am schlechtesten ist, dort ist meist die strasse zu vermuten. zwar hatte ich bereits von den beruechtigten wellblechpisten gehoert, aber dass es so schlimm ist, haette ich niemals gedacht. die von den stossdaempfern der autos verursachten bodenwellen, welche sich nahezu die gesamte strecke zwischen halfa und dongola hinziehen,
ereichen eine hoehe von bis zu 15cm und machen das fahren eigentlich unmoeglich. meist konnte ich mich nur mit knapp 10 km/h durch berg und tal quaelen und dass mein rad noch in einem stueck ist, grenzt an ein wunder. wirklich spannend wird es allerdings dort, wo kein wellblech zu finden ist. das liegt dann naemlich meist daran, dass der sand zu weich ist und die autos oft bis zur achse versinken. was das fuers rad bedeutet ist wohl klar: schieben bei ueber 45grad im schatten. sprich bei ueber 50 in der sonne. leider fehlte mir hier die energie, fotos zu machen. aber nehmt einfach den feinsten staub, den ihr euch vorstellen koennt, halbiert die korngroesse noch mal, faerbt ihn schwarz ein und schuettet einige 100 kubikmeter davon auf und definiert das ganze als strasse. beim schieben versank ich oftmals bis ueber die knoechel im sand und das fahrad schob eine bugwelle vor sich her.
das einzige, was die sache wirklich lohnenswert macht, ist die atemberaubende landschaft und die unglaublich netten und gastfreundlichen menschen. nahezu jeden tag wurde ich zum essen eingeladen und so hab ich mein geld fast ausschliesslich in cola investiert. Jaja, cola, das einzige geniessbare kaltgetraenk, das es hier gibt. nur selten ist es moeglich, wasser zu kaufen und so bin ich letzlich doch auf nilwasser umgestiegen. erstaunlicherweise warte ich noch immer vergeblich auf den durchfall.
noch immer ist es mir ein raetsel, wie ich die 450 km in nur 5 tagen bewaeltigen konnte. allerdings tut mir jetzt echt alles weh und die handgelenke kann ich gar nicht mehr bewegen.
nach dem ich ein paar stunden in Dongola zubrachte fand ich heraus, dass die guenstigste uebernachtungsmoeglichkeit mit 40$ meinen finanziellen rahmen sprengt und so schwang ich mich wieder aufs rad. nach einigem suchen fand ich dann auch endlich die strasse nach khartum und genoss endlich mal wieder asphalt unter den raedern. gegen nachmittag wurde aus dem rueckenwind, der mich seit kairo treu begleitete, mal wieder ein recht sandiger sturm, der zwar die sichtverhaeltnisse auf 200m reduzierte und das atmen zur qual machte, mir jedoch ermoeglichte, kontinuierlich ueber 30km/h zu fahren. so erreichte ich noch am selben tag abu dom, eine strecke, fuer die ich eigentlich zwei tage eingeplant hatte. von hier aus ging es mal wieder in die wueste. in diese verdammte, endlos flache, einfarbige monotonie. nur von dem geraden, schwartzen asphaltband durchbrochene, okerfarbene einoede. nach ca 160 km hatte ich engueltig die schnauze voll. ich kann diese landschaft einfach nicht laenger ertragen. nach nunmehr ueber einem monat ist nun endgueltig das mass voll. so beschloss ich die letzten km per anhalter zu fahren.
kaum in luxor angekommen erfuhr ich, dass es nicht moeglich ist, die strecke nach aswan ohne polizeieskorte zu befahren; und diese faehrt nur mit autos. da ich aber von anderen radlern vernommen hatte, die diese strecke schon gemacht haben, machte ich mich auf die suche nach einer sich zustaendig fuehlenden behoerde und landete schliesslich bei der touristenpolizei. diese erlaeuterte mir, dass es tatsaechlich moeglich waere, eine sondereskorte fuer mich bereitzustellen. da mir das aber noch mehr zuwider war, als auf die bahn umzusteigen, begann ich mich probehalber mal masslos aufzuregen und alles und jeden in diesem land zu beschimpfen und zu verfluchen. so kam es, dass ich nach gute zwei stunden und vielen telefonaten mit den unterschiedlichsten behoerden die zusage bekam, man werde die entsprechenden kontrollstellen ueber mein kommen informieren und ich koenne ohne eskorte weiterfahren.
doch als ich am naechsten tag an dem ersten P.C. ankam, wusste dort natuerlich niemand etwas von einer sondergenehmigung. also begann das ganze spiel von vorne und so arbeitetete ich mich fluchend und schimpfend die gesamte rangliste empor bis mir mitgeteilt wurde, dass in zwei stunden der polizeipraesident komme, dieser haette dann die macht, mir eine genehmigung zu erteilen.
in der zwischenzeit war mir eingefallen, dass ich ja im flugzeug einen freund des touristenministers getroffen hatte und dieser mir seine karte mit den worten „falls du hilfe bei den behoerden brauchst“ gegeben hatte. so nutzte ich die nahe telefonzelle und fragte ihn, ob er mir vielleicht helfen koenne.
Als antwort kam ein „ich kann zwar nichts versprechen aber ich versuch mein bestes.
Als dann der polizeipraesident des bezirks kam, ignorierte er mein anliegen erstmal voellig und meinte nach langem nachhaken nur „no. go to luxor“. doch dann geschah das wunder. er wurde ans funkgeraet gerufen und ich konnte beobachten, wie seine arroganz ziemlich schnell in sich zusammen fiel. darauf hin trat die versammelte mannschaft vor mir an, entschuldigte sich vielmals bei mir und ich konnte den gesammten weg bis aswan fahren, ohne weiterhin von den vielen P.C.’s belaestigt zu werden. dies hatte zur folge, dass ich in ein gebiet kam, das vom massentourismus weitestgehend verschont ist. und ich kam in den genuss, aegypten mal von seiner schoenen seite zu bewundern – ohne dass an jeder ecke irgendjemand war, der mich davon ueberzeugen wollte, dass ich unbedingt seinen laden besuchen muss und ohne dass mir jeder versuchte, den zehnfachen preis zu berechnen.
ich weiss immer noch nicht, was mich da geritten hat, als ich die entscheidung getroffen hab, mitten im sommer die sahra route nach luxor zu waehlen anstelle der einfachen, dem nil folgenden, strasse.
das ganze unternehmen begann schon denkbar unguenstig. da ich in meinem hostel in cairo nicht einschlafen konnte, beschloss ich bereits frueh um 2, meine sachen aufs rad zu packen und mich aus, nein besser in den staub zu machen. nach scheinbar endlosen 3stunden im cairo stadtverkehr gelang es mir schliesslich, zwischen all den russspuckenden lkw’s die richtige strasse zu finden und machte mich so durch berge von muell auf in die wueste.
erstaunlicher weise war es anfangs gar nicht so heiss und so machte ich noch vor mittags an die 150km. irgendwann holte mich dann aber der schla wandel doch ein und ich schlief am strassenrand in der prallen sonne wenige stunden.
als die hitzte dann doch zu gross zum schlafen wurde beschloss ich, aus mangel an alternativen weiter zu fahren.
da die strasse kontinuierlich nach sueden fuehrte und in dieser region ein dauerhafter, sehr kraeftiger nordwind wehte, schaffte ich es am naechsten tag spaet abends, die erste oase zu erreichen. niemals zuvor hatte mich der anblick einiger baeume so entzueckt wie nach diesen 400km nahezu flacher, eintoenig monotoner wueste.
der naechste tag begann dann noch heisser als der vorherige, aber die aussicht auf die weisse wueste motivierte mich genug, um auch den naechsten abschnitt zu durchqueren: die schwarze wueste. ich weiss nicht genau, was ich erwartete hatte, aber definitiv nicht das: eine endlose, mit einzelnen steilen huegeln uebersaehte flaeche, die mit schwarzen, an schlacke erinnernden, steinen bedeckt ist. diese schienen die hitze noch zu vergroessern und so durchbrach mein thermometer erstmals die 50c grenze. der wind, der mich begleitete, hatte mittlerweile die erfrischende wirkung eines heissluftgeblaeses erreicht und die strassenquallitaet nahm rapide ab. oftmals musste ich absteigen und schieben, da die fahrbahn knietief mit sand bedeckt war.
gegen nachmittag erreichte ich dann mal wieder einen der vielen kontrollposten, welche hier oft den einzigen schatten stellen, der weit und breit zu finden ist. da gerade einige melonen transporter vorbeikamen, bekam ich einen teil des bakshish ab und waehrend ich so meine melone ass, wurde mir nahegelegt, doch die letzten 90km nach farafra mit dem auto zu fahren. da ich dass vehement ablehnte und erklaerte, dass ich allein in die weisse wueste fahren wolle, wurde mir die weiterfahrt einfach verboten und mein fahrrad auf den pickup geladen. da ich mich ca. 20 bewaffneten maennern gegenueber sah, willigte ich schliesslich ein, dass ich bis kurz vor die weise wueset gefahren wurde.
dieser welt beruehmte teil der sahara ist auf gund unterschiedlich harten gesteinsschichten uebersaeht mit pilzartigen gebilden und ziel vieler safaritouristen, die mich mit EIS in rauen mengen versorgten. da mein kocher unter der geballten macht des allgegenwaertigen sandes kapitulierte, kochte ich traditionell auf getrocknetem kameldung, der reichlich vorhanden war.
die naechsten tage quaelte ich mich durch die immer heisser werdende, scheinbar endlose wueste von oase zu oase. da es mittlerweile einfach zu heiss war, um tags ueber zu fahren und der mond fast voll am himmel stand, entschied ich mich, nacht zu fahren, was erstaunlich gut ging aber den nachteil hatte, dass ich nun tagsueber versuchen musste, zu schlafen. nur hatte es mittags mitlerweile um die 45C im schatten und so baute ich durch den schlafentzug ziemlich schnell ab.
in baris, der lezten oase vor dem nil erfuhr ich, dass es von hier an verboten war, nachts zu fahren, da dies zu gefaehrlich war. Warum, konnte mir keiner so genau erklaeren, aber scheinbar hatte es etwas mit einem toten wolf zu tun, der neulich am strassenrand gefunden wurde. so gab ich schliesslich auf und lies mich die letzten 150km nach luxor mitnehmen.
So, morgen geht es ab in die wüste.
nachdem ich morgens um 3uhr am flughafen in kario angekomen bin und nach ca 2h auch mein rad wieder fahrbereit war, machte ich mich auf die suche nach dem stadtzentrum. was zwar recht einfach klingt es aber nicht ist, wenn mensch die stadtautoban vermeiden will. so fuhr ich also geraume weile durch die noch schlafende 20 milionen metropole und versuchte, ein offenes internetkafe zu finden, um die adresse eines erstaunlich billigen hostels, welches mir von einem anderen radler empfolen wurde, raus zu bekommen. als ich dann schliesslich morgens um 7 entnervt aufgegeben habe und nur noch schlafen wollte, stellte ich erstaunt fest, dass mich meine planlose suche genau vor die tuer besagten hostels gefuehrt hatte. gluecklicher weise war noch genau ein zimmern frei und ich konnte mich nach einer erfrischenden dusche endlich schlafen legen.
die nächsten tage verbrachte ich dann mit dem üblichen sightseeing [bilder folgen (muss erstmal all die viren, die ich in den diversen internetkafes auf meine SDkarte bekommen habe, wieder runterbekommen)] und viel netter gesellschaft aus dem hostel, welches fast nur mit europäischen arabischstudentInnen bevoelkert ist, da es erstaunlicher weise billiger ist, im hostel zu übertnachten, als sich eine wohnung zu mieten.
alles begann damit, dass ich ein wenig ueberstuerzt ein zugticket raus aus istanbul gekauft hab. (um 6uhr in der frueh). ich kaufte also das billigste ticket, das mich aus der stadt bringt. da sich die auswahl auf eines beschraenkte, nahm ich das naechst beste, welches bis zur griechischen grenze gueltig ist. kaum im zug, schlief ich nach einer durchzechten nacht wie ein stein ein und, trotz des festen vorsatzes, den zug nach dem verlassen istanbuls wieder zu verlassen, wachte ich erst wieder an der grenze auf, als irgend so ein beppo meinen ausweis sehen wollte. ab hier wird es interessant: nach dem ich meinen ausweis hergegeben hatte stellte ich fest, dass mein waggon, welcher der letzte am zug war, abgekoppelt wurde und auf ein extra gleis, welches von stacheldraht umzaeunt war, gebracht wurde. nach dem eine halbe stunde nicht passierte und ich festgestellt hatte, dass die tueren von aussen verriegelt waren, legte ich mich wieder hin und schlief, fest entschlossen, dem ganzem keine beachtung zu schenken, wieder ein. nach einer weiteren halben stunde wurde ich von einem halben dutzend uniformierter mit den worten „luggage control“ geweckt. voellig verschlafen und ziemlich angenervt sah ich zu, wie sie mein gesamtes gepaeck auseinander nahmen und sich dann wieder kommentarlos von dannen machten. nach dem eine weitere stunde nichts passierte, verliess ich versuchsweise den zug und stellte erstaunt fest, dass mir die grenzpolizisten keinerlei beachtung schenkten. nach hartnaeckiger fragerei bekam ich die info, dass es ein problem mit einem bulgarischen mitfahrer gab und dass der zug wohl heute nicht mehr weiter fahren wuerde, aber ich koenne ja den zug morgen frueh nehmen. also belud ich mein fahrrad, um die letzten paar km zur grenze durch muskelkraft zu bewaeltigen. grade noch rechtzeitig stellte ich fest, dass ich meinen ausweis noch nicht wieder hatte und so machte ich mich an den versuch, die grenzbeamten, die anscheinend nicht mehr wussten, dass sie meinen ausweis hatten, davon zu ueberzeugen, dass sie mir den selbigen wieder auszuhaendigen hatten.
als ich dann am naechsten tag einen grenzuebergang weiter im sueden ueberqueren wollte, musste ich feststellen, dass die trottel zuvor bereits nen ausreisestempel in meinen pass gedrueckt hatten. und so sah ich mich kurzerhand mit dem vorwurf konfrontiert, die grenze illegal ueberquert zu haben. jedoch wurde mir freundlicherweise das recht eingeraeumt, die situation zu erklaeren und ein paar telefonate spaeter kam raus, dass so etwas wohl oefters passiere und mensch (bzw. beamter) liess mich passieren.
am abend dann entdeckte ich einen wunderbaren camping platz/strand,
wo ich von einigen anwohnern zum BBQ eingeladen wurde. da diese mich mit hilfe von unglaublich gutem essen dazu ueberredeten, noch einen tag am strand zu verbringen, fing ich mir den sonnenbrand meines lebens und einige seeigelstachel ein.
die naechsten tage waren, abgesehen von nahezu 40grad im schatten, recht
unspektakulaer, bis ich mich, nichts boeses ahnend, den LANDSTRASSENschildern folgend, ploetzlich auf einer neuen autobahn wieder fand.
da ich der meinung bin, dass es noch mehr selbstmord ist, mit dem fahrrad auf einer autobahn gegen den verkehr zu fahren, folgte ich dieser einfach in der hoffnung, in baelde auf eine ausfahrt zu treffen. aus „in baelde“ wurde mehr als eine stunde und 25km.
Immer noch darueber erstaunt, dass nach ueber einer stunde auf der autobahn keine polizei kam, kaufte ich mir erst einmal ein kaltes bier und legte weitere 100km, diesmal auf der richtigen strasse richtung tessaloniki zurueck. allerdings nur, um am naechsten morgen
festzusellen, dass in erwaehnte stadt ebenfalls nur eine autobahn rein fuehrt, sofern mensch nicht einen mehr als 60km umweg in kauf nehmen will.
da ich ja nun schon einige routine darin hatte, genoss ich es, bergauf einige LKW’s zu ueberholen und raste dann mit bis zu 78km/h gegen tessaloniki,wo ich mich mit Thonos, einem griechischen Radler traf, der mich fuer die naechsten tage beherbergen wird.
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| istanbul thessaloni |
nachdem wirklich alle meine moeglichkeiten, an dieses visum ranzukommen, erfolglos ausgeschoepft waren und ich frustriert aufgegeben habe, fand ich heute eine mail von Herrn Khalil in meinem postfach, in der meine visum nummer und alles notwendige fuer die einreise zu finden ist. ich werd damit also am montag nochmal zur syrischen botschaft gehen und versuch die davon zu ueberzeugen, mir mein bereits existierendes visum auszuhaendigen.
wie auch immer es verlaeuft, ich werd am montag auf alle faelle weiter fahren, da ich dringend wieder in den sattel muss. werd schon ganz unruhig vom immer-in-der-gleichen-stadt-sein.
hier auf alle faelle mal ein ganz grosses dankeschoen an Hern Khalil, der mir, ohne mich persoenlich zu kennen, mein visum besorgt hat und an meine mutter, die das alles in die wege geleitet hat.
Nach dem ich mittlerweile 7 mal in der syrischen Botschaft war und alle Versuche, via offizielle Einladung aus Syrien das Empfehlungsschreiben aus der deutschen Botschaft zu umgehen, gescheitert sind, hab ich jetzt festgestellt, dass ich Syrien und somit auch Jordanien umgehen muss.
im Gegenzug werde ich wohl ein paar Mittelmeerinseln ( Rhodos und Zypern) mitnehmen und mal die hiesigen Fähren ausprobieren.
Auch die Lage im Sudan verschlechtert sich von Tag zu Tag. Anfang der Woche haben Darfur-Rebellen erstmals Karthum angegriffen und werden wohl versuchen, die momentane Regierung zu stürzen. Daher verbringe ich derzeit viel Zeit über allen möglichen Karten und versuche eine Alternativroute um den Sudan herum zu finden.
Ich hatte ja damit gerechnet, dass einige Visa nicht gerade einfach zu beschaffen sind, aber dass ich so früh schon Probleme bekomme, hätte ich nicht gedacht.
Nachdem ich gestern endlich mal zur richtigen Zeit in der syrischen Botschaft war und diese auch tatsächlich offen war, musste ich feststellen, dass ich ein Empfehlungsschreiben von der deutschen Botschaft brauche. Also schnell zum deutschen Konsulat gerannt nur um festzustellen, dass Pfıngstmontag ist und das Konsulat somit geschlossen ist.
Somit musste ich heute wieder in der Früh um 6 aufstehen, mal wieder den Bosporus überqueren und zum Konsulat gehen, nur um zu erfahren, dass in der Türkei dieses Empfehlungsschreiben nur an in der Türkei lebende Deutsche ausgegeben wird. Somit sitze ich jetzt wohl erstmal in Istanbul fest und hoffe, dass sich das Problem deutsches Konsulat irgendwie mit Einladungen aus Syrien umgehen lässt.
Bis dahin werde ich wohl das Nacht- und ein bisschen das Tagesleben in Istanbul geniessen und und meinen Gastgebern noch ein bisschen auf die Nerven gehen.
Bin gestern in Istanbul angekommen und hab recht erstaunt festgestellt, dass ich bereits 3000km hinter mir habe und schon ueber einen Monat unterwegs bin.
nachdem ich recht ueberstuerzt aus Budapest geflohen bin, da ich festgestellt habe, dass ich das Großstadtleben trotz ueberwiegend freundlicher Menschen nicht mehr ertrage, ist mal wieder viel passiert. Da ich mich ja so gut wie gar nicht auf den europaeischen Teil der Reise vorbereitet habe, wurde ich recht angenehm von den Osterfeiertagen der lokalen Christen ueberrascht. Drei Tage nahezu kein Verkehr und in jedem zweiten Dorf bekomme ich Eier und Brot geschenkt.
Am zweiten Tag nach Belgrad muss ich feststellen, dass ich mich mal wieder auf der falschen Seite der Donau befinde und es mal wieder natuerlich keine Bruecke gibt. Da ich noch ueber eine recht beachtliche Menge serbisches Geld verfuege, beschliesse ich, die naechste und auch einzige Faehre zu nutzen und den Fluss zu ueberqueren. Dank eines Platzregens und dem freundlichem Angebot eines Bauern, mich in seiner Scheune ein Weilchen auszuruhen, den Regen abzuwarten und einen Liter frische Milch zu trinken, verpasse ich wie auch nicht anders zu erwarten, die Faehre um ca. 2 Minuten. Ein Blick auf den Fahrplan verraet, dass die naechste voraussichtlich 4 Stunden spaeter faehrt, unter der Voraussetzung, dass auf der anderen Seite genuegend Autos auf die Faehre wollen, damit sich die Fahrt rentiert. Recht frustriert fange ich an, meine soeben neu erworbene Karte zu studieren und mir eine Alternativroute zu ueberlegen, als mich ein Bauarbeiter in bestem Oxford Englisch anspricht, mich auf ein Bier einlaedt und mir erklaert, dass sein Bruder ein ortsansaessiger Fischer ist und mich auf die andere Seite bringen wuerde, sobald der Regen aufhoehrt.
Kaum war das Bier geoeffnet, hoerhte tatsaechlich der Regen auf, mein Fahrrad wird in einen winzigen Aussenborder verladen und ich werde von einem sehr lebhaften, froehlichen Menschen die ca. eineinhalb km auf die andere Seite gebracht.
Kaum ein paar km gefahren schon die naechste Ueberraschung. Die hier recht maechtige Donau prallt voll gegen eine massive Felsbarriere und der gut einen km breite Fluss quetscht sich die naechsten 50 km durch eine teilweise nur 100m breite bis zu 800m tiefe Schlucht. Mit atemberaubender, von ein paar brennenden Muelkippen abgesehen, unberuehrter Natur.
Nach der Schlucht versuche ich dann die bulgarische Grenze ausfindig zumachen. Bereits nach wenigen Stunden und etlichen Sackgassen finde ich die richtige Straße und schaffe es sogar, den recht stupiden bulgarischen Grenzbeamten klar zumachen, dass Bulgarien nun auch Teil der EU ist und ich somit definitiv keine 15Euro fuer ein Visum zahlen muss.
Und die inkompetenten Grenzbeamten sollten nicht die letzte unangenehme Ueberraschung sein. In der naechsten Stadt angelangt wird mir freundlich in etlichen verschiedenen Banken erklaert, dass es absolut unmoeglich ist, serbisches Geld in die hiesige Waehrung oder irgend eine andere zu tauschen. Genauso verhaelt es sich mit meinem verbliebenen ungarischen Geld. Also muss ich trotz der gut 200Euro, die ich in diversen Waehrungen bei mir habe, mal wieder Geld abheben und Dank der Tatsache, dass hier die Automaten grundsaetzlich nicht mehr als 25euro ausspucken, wahrscheinlich das selbe an Gebuehren zahlen wie ich abhebe.
nach nur wenigen km muss ich erschreckt feststellen, dass die hiesigen Asphaltstrassen in einem noch schlechteren Zustand sind als in Serbien und somit eine Qualitaet erreichen, dass es oftmals einfacher ist, neben der Strasse in der Wiese zu fahren als auf der Strasse.
An meinem dritten Tag in Bulgarien treffe ich auf eben einer dieser Strassen Waut, einen niederlaendischen Radler, der gerade auf dem Weg nach Asien ist. Da auch er nach Istanbul will, fahren wir abs ofort zusammen. Am naechsen Tag beschliessen wir, der Donau den Ruecken zuzukehren und uns auf direktem Weg in Richtung einer der beiden Grenzuebergaenge in die Tuerkei auf zumachen. Irgendwo in der wunderschoenen Berglanschaft reisst mir dann das Kabel von meinem Tacho Somit weiss ich jetzt nicht mehr, wie viele km ich genau habe.
Etliche 100 Hoehenmeter spaeter und bei quaelendem Dauerregen erreichen wir endlich die tuerkische Grenze, wo ich endlich mal wieder angenehm ueberrascht werde. Deutsche sind so ziemlich die einzigen, die kein tuerkisches Visum bezahlen muessen. Waut muss 10 Euro zahlen.
Kaum ueber die Grenze, haben wir das Gefuehl, in die Zivilisation zurueck zu kehren. NEUE Strassen. Und all die Hoehenmeter der letzen Tage wieder runter. Am naechsten Tag ist es fuer uns nahezu unmoeglich, vorranzukommen. Ueberall werden wir auf einen Tee eingeladen und uns werden Fruechte in rauhen Mengen aufgedraengt. Gegen Mittag treffen wir auf die gesammelte Lehrergemeinschaft eines kleinen Kaffs, die gerade eine kleine Spazierfahrt mit dem Rad machen und in unsere Richtung unterwegs sind. Der englischlehrer fungiert als Dolmetscher und so endet der Tag nach nur ca. 50km in einer geselligen Runde und mit etlichen Bieren.
Am naechsten Tag treffen wir auf einen irischen Radler, der gerade auf dem Weg von Indien nach Hause ist. Wir tauschen etliche nuetzliche Infos unter anderem die Adresse des besten und wohl auch einzigen Radladens Istanbuls.
Ca. 60km vor Istanbul wird der Verkehr derart pervers, dass Weiterfahren an Selbstmord grenzt. Also Daumen raushalten und drauf hoffen, dass irgendjemand bereit ist, zwei Menschen, deren letzte Dusche gute 3 Wochen zurueckliegt samt deren gut 50 kg schweren Raedern mitzunehmen.
Und wer haette das gedacht: nach nur 5 Minuten haelt ein Klein aster, laedt unsere Raeder auf und bringt uns ins Stadzentrum, nur 2km vom angestrebten Hostel entfernt.
Dies war wohl die eindruckvollste Etappe seit ich gestartet bin.
Nach ein paar Stunden in Budapest hab ich mich wieder auf die Suche nach dem Donauradweg gemacht. Was, wie ich jetzt weiss, von vorn herein zum Scheitern verurteilt war.
Nach dem ich nen Weilchen die Donau entlang geirrt bin beschliesse ich, selber nen Weg zu finden, was anfaenglich noch ganz gut laeuft. Direkt an der Donau geht ein betonierter Weg entlang einer Gas-Pipline, dem ich folge. nach ein paar km kein Asphalt mehr aber ein recht guter Feldweg, auf dem ich ganz gut vorran komme. zumindestens bis sich bei 32 Grad und guten 80% Luftfeuchtigkeit dass erst Sommergewitter entlaedt das ich in diesem Jahr erlebe. Platzregen Hagel Blitze und alles was dazugehoert. ich betrachte dass alles recht entspannt von der ueberdachten Freischankflaeche eines Sportfischer-Vereins aus, bei denen ich mich rechtzeitig unterstellen konnte. Als ich nach ca 15min wieder weiterfahren will kommt die boese Ueberaschung: der ehemals so gute Feldweg hat sich in ein riesiges Schlammloch verwandelt. Nach dem ich zweimal die Kontrolle ueber das Rad verloren hab und recht unsanft abgestiegen bin muss ich feststellen, dass Fahren unmoeglich ist. Das Zeug hat in etwa die Konsistenz von Kernseife die ein paar Tage im Wasser lag, klebt aber ueberall fast so, dass auch Schieben nach wenigen Metern unmoeglich wird. Ich muss alle paar Meter anhalten und die Raeder vom Schlamm befreien. So brauche ich fast ne Stunde um die 200 Meter zur Strasse zu ueberbruecken ,welche nach ca 10 km wieder in einem Schlammloch endet. Also wieder Schieben bis zur naechsten Strasse. Gegen Ende der zweiten Schlammstrecke versuche ich, ob es durch die Buesche, die die „Strasse“ saeumen besser geht und dann passiert es: meine erster Platten, und das bei durchschnittlich 5cm Schlammkruste am Rad. Flicken kann ich heute vergessen, also schiebe ich noch froehlich singend an dem Knast, vor dem ich mich befinde, vorbei und baue mein Zelt mitten auf einem anderen Feldweg auf. Ich fuehle mich, als ob ich an die 300km gefahren waere. ein Blick auf den Tacho zeigt, dass es gerade mal 43 km waren; Durschnittsgeschwindichkeit 12,7km/h.
Am naechsten Tag werde ich von nem Bauern geweckt der genau den Feldweg braucht den ich als Campingplatz genutzt habe. Also schnellst moeglich mein Zeug zammpacken und weiterradeln, diesmal auf der richtigen Strasse, die mir der Bauer gezeigt hat.
Die Temperatur steigt schnell auf ueber 30 Grad und so sind die Blauen Trinkwasserbrunnen die es in jedem Dorf gibt oftmals die letzte Rettung. Nach ca 40 kam finde ich in einem kleinem Dorf raus, dass ich mich auf einer Insel befinde, obwohl ich mir immer noch sicher bin keine Bruecke ueberquert zu haben???
ich spreche die naechst beste Person an nem Supermarkt an (die ham hier auch am So offen) und frage nach nem Weg von der Insel runter. Auf recht lueckenhaftem Englisch versucht mir die Frau den Weg zu erklaeren, zeichnet mir ne Karte bis an die serbische Grenze und faehrt mir schliesslich mit dem Auto bis zur naechsten Bruecke vorraus. Am fruehen Abend suche ich mir tief in den Donauauen versteckt nen huebschen Platz fuer mein Zelt, baue mir aus meinem Wasserschlauch ne Dusche und muss feststellen, dass die ungarische Fliegenpopulation durchaus mit der australischen verglichen werden kann.
Nach ca 3 Stunden, die ich mich gegen immer heftigeren Gegenwing ankaempfe, erreiche ich die serbisch-ungarische Grenze.
die Ungaren fragen nur „Deutsch?“ und winken mich durch.
auf der serbischen Seite sieht das dann schon anders aus: „How many euro?“
„About 50ct and 1000 furint“
der Beamte telephoniert ca 5min, daraufhin kommt sein Vorgesetzter.
wieder das selbe Spiel.
ich versuch zu erklaeren, dass ich ne Banckkarte und ne Visa Card hab;
wieder wird telephoniert.
Noch ein Vorgesetzter.
Diemal einer, der drei Woerter mehr Englisch spricht.
Ich zeige ihnen meine Carten.
Cie drei diskutieren ne Weile und fragen dann:
„You card for bankomata?“
„Yes“
„What you want here?“
„Riding my bike“
„To where?“
„Kapstadt“
„Ok!“
Ich bekomm nen Stempel und darf fahren.
Kurz nach der Grenze finde ich die Schilder fuer den Donauradweg, den es hier gibt, sponsored by germany. Also kaepfe ich mich die naechsten Tage bei ca 30 Grad und einem Gewitter nach dem anderen gegen den beinahe Sturm an. bis eines Morgens ca 190km vor Belgrad der wind dreht. Von nun an geht es mit 30-40km/h weiter, bei Novi Sad ueberquere ich die Donau und find meinen ersten Berg auf der Tour, 436m hoch 8-10% Steigung. aber es geht wieder runter und immer noch Rueckenwind. Also, trotz mitlerweile schlechter Sicht von ca 500m und einer Abkuehlung auf 11 Grad, Sonnenbrille aufgesetzt noch mal den korrekten Sitz des Helmes ueberprueft und runter gehts mit bis zu 68km/h.
Ca um 13 Uhr schau ich auf meinen Tacho und stelle fest, dass ich schon 170km zusammen hab. Und dann kommt ein Schild, dass hier die Radwegbeschilderung endet und es noch 20km bis Belgrad sind. Nach weitern 30 km bin ich mir sicher, dass ich mich verfahren habe. Also frage ich mich durch. Doch jede Beschreibung endet auf der Autobahn. Mitlerweile ziemlich genervt mache ich mich mitten im Siedlungsgebiet auf die Suche nach nem Platz, wo ich mein Zelt aufbauen kann. Kurz vor Einbruch der Nacht beschliesse ich, mich direkt neben der Autobahn in nen Graben zwischen zwei Felder zu legen. ich spanne mein Zelt als Plane notduerftig ueber den Graben und lege mich hin. Am naechsten Morgen suche ich mir einen Weg nach Belgrad und stelle fest, dass ich die Stadt mitlerweile halb umrundet habe.
Fuenf Tage ist es nun her, dass ich Wien verlassen habe. Und nun, ein paar 100 km weiter bin ich in Budapest angelangt. Jaja, Budapest – die Stadt mit der wahrscheinlich geringsten Dichte an Internet-Cafes. Beinahe drei Stunden haben wir gesucht, um ein voellig ueberteuertes Cafe zu finden, in dem es nichteinmal moeglich ist, seine Bilder hochzuladen.
Momentmal, warum eigendlich wir?
Kaum war ich aus Wien wieder draussen taf ich Mark, den niederlaendischen Reiseradler wieder. Und da er ja auch auf dem weg nach Budapest war beschlossen wir gemeinsam unseren Weg zu suchen, was wahrlich nicht so einfach war.
Nach dem wir am ersten Tag nicht wirklich weit gekommen waren, da wir beide erst recht spaet in Wien los gefahren sind, kamen wir erst am zweiten Tag nach Bratislava, konnten dafuer die Stadt fast ohne Touristen geniessen, da diese sich durch den stroemenden Regen anscheinend abschrecken liessen. Nach kurzer Suche fanden wir schlieslich den vertrauten Eurovelo 6 wieder und genossen die malerischen Landschaften der slovakischen Donauauen bei Spitzengeschwindigkeiten von 52kmh und Rueckenwind. Verhaeltnisse, die mensch sonst nur in Kuestenregionen erwartet.
Am darauf folgenden Tag beschlossen wir, die Donau zu ueberqueren und nach Ungarn einzureisen, was sich im nachhinein als Fehler erweist. Selbst bei intensiver Suche gelang es uns nicht, den Donauradweg dank mangelnder Existenz wieder zu finden und sahen uns so gezwungen, die letzten 100 km auf einem der Hauptverkehrswege Ungarns zu absolvieren, welche sich duch das bergige Hinterland schlaengelt und aufgrund des massiven Schwerlastverkers in einem mieserablem Zustand ist. Erschwerend kam auch noch hinzu, dass der ehemals so wundervolle Rueckenwind nun aus der entgegengesetzten Richtung kam und somit unseren Tagesschnitt auf unter 80 km drueckte.
Bin gestern (5.4.08) in Wien angekommen.
Nachdem ich mich am Mittwoch spontan dazu entschloss, noch einen Tag mit der Abfahrt zu warten und erst mal den schlimmsten Hagel abzuwarten, erwischte es mich dann am Donnerstag doch noch voll. Dreimal Hagel mit über 1cm großen Körnern abwechselnd zu Sonne und Platzregen ließen die ersten 180 km ziemlich anstrengend werden. Abends um kurz vor 7Uhr baue ich dann schließlich mein Lager in Plattling neben dem von zwei slowakischen Paddlern auf.
Der nächste Tag entschädigte dann mit ehrlichem Radfahr-Wetter und dem super ausgebauten Donauradweg. Gegen Mittag treffe ich Mark, einen niederländischen Radler, der seit vier Wochen unterwegs ist und sich gerade in Richtung Budapest bewegt. Wir fahren bis Passau gemeinsam, wo wir auf zwei seltsame christlichen Radnomaden treffen, die seit ca 10 Jahren unterwegs sind, die letzte Zeit in Ungarn verbracht haben und grade auf Arbeitsuche in Deutschland unterwegs sind; von ihnen erhalten wir ein paar nützliche Infos über den weiteren Verlauf des Radwegs und erfahren, dass die meisten Donau-Fähren noch nicht fahren. Da diesen aber oftmals die einzige Möglichkeit sind, den Fluss zu überqueren, enden viele Radweg-Varianten als Sackgasse. Nach ein paar Stunden in Passau fahre ich schließlich weiter, während Mark sich entscheidet, die Nacht in Passau zu verbringen. Kurz vor Einbruch der Nacht fand ich in mitten der Donauschlinge einen perfekten Zeltplatz und übernachtete in dieser wunderschönen Landschaft.
Der nächste Tag beginnt mit einem schmerzenden Knie und damit, dass ich trotz Vorwarnung in eine der Radweg-Sackgassen gerate und somit auf die Strasse wechseln muss, was einen 400m Aufstieg mit sich bringt. Nach einiger Zeit finde ich schließlich den Radweg kurz vor Linz wieder und folge ihm noch einen Tag lang bis Wien.